Seine eigenen Erfahrungen bedauern heißt, seine eigene Entwicklung aufhalten.
Oscar Wilde (irischer Schriftsteller), De Profundis
Archiv für Oktober 2008 Seite 8 von 9
Bild meint:
Beim Flug von Neapel nach Berlin-Schönefeld dreht ein Passagier durch, bringt alle 145 Passagiere in Lebensgefahr! [...]
Dann das Unfassbare: Der 31-Jährige versucht plötzlich, die Kabinentür zu öffnen – das Flugzeug ist noch in der Luft!
Renke stellt fest:
Während des Reisefluges ist es nicht möglich, die Türen eines modernen Flugzeuges, unter welches ich den Airbus A319 zähle, zu öffnen. Wäre ich dabei gewesen, ich hätte dem Passagier noch geholfen. Wieso? Ganz einfache Physik: Ein Flugzeug besitzt eine Druckkabine, die während des Fluges einen höheren Druck aufweist als die äußere Umgebung. Damit einhergehend werden die Türen eines Verkehrsflugzeuges mit erheblichem Druck in den Flugrahmen gepreßt. Ein Mensch ist mit seinen Kräften nicht in der Lage, eine Flugzeugtür in einer unter Druck stehenden Kabine aus der geschlossenen Position zu bewegen. Theoretisch wäre dies nur in niedriger Flughöhe möglich, da hier der Überdruck wesentlich geringer ist als in der Reiseflughöhe, allerdings bleibt in niedrigen Höhen auch die gefürchtete explosionsartige Dekompression der Kabine aus, die durchaus ernste Schäden, hier vor allem strukturelle, am Flugzeug anrichten könnte.
Aber darum geht es ja BILD nicht wirklich, Panik verkauft sich eben besser. Nichtsdestotrotz lieber Leser, ein randalierender Passagier mag eine unfeine Sache sein, hier und da gefährlich für die anderen an Bord, sollte er zum Angriff übergehen, aber eine >>> Flugzeugtür kriegt er mit Sicherheit nicht auf! Deswegen weder unfaßbar noch Lebensgefahr, einfach nur unschön.
Die Verläumdung, das freche Gespenst, setzt sich auf die edelsten Gräber.
Christian Johann Heinrich Heine, besser bekannt unter Heinrich Heine (dt. Schriftsteller, Dichter und Journalist), >>> Reisebilder, 11. Die Befreiung.
Tja, wer hätte das gedacht, dem Renke geht eine schwedische Eigenart im Moment richtig gegen Strich, wenn nicht sogar außerordentlich auf den Senkel, sie widerfährt ihm gar: Det är så – was auf Deutsch meint: Das ist (eben) so.
Das höre ich zur Zeit eigentlich immer und überall in der Högskolan Dalarna, wenn man meinerseits Zweifel auffährt oder gar Probleme hat, eventuell sogar kritisiert. So erfuhr ich, nachdem ich meinte, daß dieses natürliche Zuspätkommen in Schweden zum Unterricht doch recht befremdlich sei und ob nicht Handlung angezeigt wäre, daß man daran rein gar nichts ändern könnte – es wäre schon immer so gewesen, selbst die Lehrer kämen zu spät. Nun, nicht eine Einzelmeinung, ganz im Gegenteil, diese Meinung hatten alle zur selben Sekunde, die Seminarleiterin, eine hochangesehene Pädagogin an unser Uni, inbegriffen. Damit war das Thema beendet. Danke schön!
Selbiges kommt bei den schriftlichen Reflexionen um die Ecke. Zwar steht hier und dort soetwas wie “gute Idee”, “feiner Ansatz” oder “hervorragend durchdacht”, meint man aber, das Seminar wäre auf Grund völliger Fehlplanung der Zeit thematisch gegen die Wand gelaufen und man selber hätte eigentlich gar nichts mitgenommen, tja, dann steht da nur ein “schade”. Schade aber auch. Und so geht das weiter, unendlich, ich kann mich eigentlich schon immer darauf gefaßt machen, wenn ich denke und äußere, daß vielleicht die eine oder andere Sache nicht so ganz funktioniert, und man das eventuell doch irgendwie besser machen könnte, daß dann kommt: Renke, det är så.
Das ist im Moment äußerst verwirrend, wenn nicht sogar ärgerlich und eben auch leicht frustrierend. Herrje, ich will ja nicht die Welt verändern, es geht doch eigentlich nur um ganz profane Sachen wie Pünktlichkeit, Organisation und vielleicht ein bißchen Optimierung hier oder da.
Vielleicht wird es langsam Zeit, daß ich mal das Wort lagom erkläre, damit wird hier nämlich alles beschrieben, bewertet und begründet, was viel und nichts heißen kann. Aber dazu bin ich zu platt von der Woche und von heute. Ich werde nun erstmal das Wochenende zum Runterkommen verwenden, es soll ja, meint der Wetterbericht, der erste Schnee zu erwarten sein. Ich bin gespannt, das wäre der früheste Wintereinbruch für mich hier in Schweden. Sonst rollte dieser erst immer mitte Oktober an. Was aber eigentlich gar nicht so schlecht wäre, ich könnte mein glühendes Hirn samt Kopf zum Abkühlen in einen Schneehaufen rammen, und dann von mir geben: Det är så!
Auch der vernünftigste Mensch bedarf von Zeit zu Zeit wieder der Natur, das heißt seiner unlogischen Grundstellung zu allen Dingen.
Friedrich Wilhelm Nietzsche (dt. Philosoph, Dichter, klassischer Philologe), >>> Menschliches, Allzumenschliches. Nr. 31





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