Archiv für November 2008

Wie jetzt!?! nr. 9

Zwei Minuten Onlinemedien bestaunt – Ausbeute:

Spass, Fussball, ausser, draussen, Süssigkeiten, Fleiss, Grüsse, gross, schmeissen, reissen, beissen, weiss, heiss(en), meisseln, geisseln, geniessen, begiessen, fliessen, grüssen, gemäss, Mass, Frass, Strasse …

Isn’t anybody out there feeling something???

(Schweiz und Österreich brauchen nichts fühlen)

Wirklich wunderbar!

Es ist ja alles nicht mehr zu fassen – in Deutschland schneit es, hier in Falun hingegen kämpft man derzeitig mit Regen en masse und dicken fetten grauen Wolken, den Wind sollte man nicht vergessen. Hell wird es heute wohl auch nicht mehr, rundum beste Voraussetzungen, um den eigentlich anstehenden Reflektionen und Studienaufgaben motiviert und erfrischt entgegen zu treten (das ist ironisch gemeint). Nicht mal Kaffee kann das maulige Ich am heutige Tage erhellen, ganz üble Laune macht sich breit. Tolles Wochenende. Also irgendwie hatte ich mir das mit dem Winter anders vorgestellt. Auch wenn das Leben keine “Wünsch-Dir-Was-Show” ist, aber so einen Schrott hat hier nun wirklich keiner bestellt. Naja, ein Buch geschnappt, wird wohl das Beste sein, und einfach ruhig bleiben. Es kann ja nur besser werden.

Schönes Wochenende!

Alles dabei!

Ja, nach acht Stunden in Svärdsjö kann ich behaupten, heute war eigentlich alles dabei: ein bißchen romantische Stimmung, ein bißchen Abschied, ein bißchen Streß, ein bißchen der Wahnsinn inkl. Übelkeit, ein bißchen Sauereien kommen noch, und tiefgreifende Veränderungen durften freilich nicht fehlen.
[...] Fortsetzung ‘Alles dabei!’

Ein schwedisches Wort – nr. 39

Jag är nästan död nu!

Ich weiß gar nicht, ob das einer gewaltigen Erklärung in der Übersetzung bedarf. Sollte man es umschreiben, so kann man sich vielleicht den Renke einfach vor dem PC vorstellen, die Zunge hängt ihm raus, die Augenbrauen sind mit einem Tacker fixiert worden, das Hirn wandert in dunklen Gräben, die Augen sehen Schlümpfe und alles schreit nach einem einzigen Wort: SCHLAF. Nun kann man ja geteilter Meinung sein, ob Studenten faul und träge sind und eigentlich nichts anderes machen, als täglich ihren blanken Hintern in die Sonne zu halten. Meiner einer ist heute um fünf aufgestanden, bis 15 Uhr in Svärdsjö gewesen (man waren die Schüler laut), zu um 16 Uhr zurück nach Falun gefahren, dort noch drei Stunden in der hiesigen Bibliothek zugebracht, kurz vor acht noch in den LIDL reingehetzt, um neun endlich das Abendessen fertig gehabt, noch fix die erste von morgigen drei Unterrichtsstunden vorbereitet, und nun ist SCHLUSS. Denn, morgen wird er wieder um 5 aufstehen, die anderen zwei morgigen Stunden vorbereiten, in den Bus hüpfen, Svärdsjö unsicher machen, Schüler quälen, Bus fahren, Kontrollen kontrollieren und hat man nicht gesehen. Genau. Und dann wird er abends wieder feststellen:

Ich bin jetzt fast tot.

Naja, nicht, daß ich mich nun beschweren wollte, aber mich dünkt, ganz untätig war ich dann wohl als Student doch nicht …

In diesem Sinne, gute Nacht!

Schneetreiben.

Also das war heute schon ein erfrischend kalter und anstrengender Tag, der vor allem durch Schneetreiben draußen geprägt war, allerdings auch im Klassenraum, metaphorisch ausgedrückt. Was dann hier und dort für Chaos sorgte. Schließlich lassen wir uns hier ja in Schweden nicht lumpen, was Deutschland am Wochenende konnte, haben wir heute hier Dalarna wunderbar fortgesetzt: Schneesturm, wie er im Buche steht. Dabei gab es  sicherlich einige Einschränkungen und Widrigkeiten, so fielen nicht wenige Pendlerflüge von und nach Borlänge aus,  der Zugverkehr kommt mal wieder teilweise durch Schneehäufchen zum Erliegen, die sich unerwartet durch den Sturm gebildet haben, und meine Busfahrer am heutigen Tage schienen direkt Angst haben, überhaupt die Haltestellen zu verlassen. Man eierte und lahmte durch die Dörfer und Berge denn man fuhr. So war nicht sicher, ob ich meine Schule überhaupt pünktlich erreichen sollte, wir machten auf 30 km 30 Minuten Verspätung. Nicht weniger seltsam sah es heute mit den Schülern aus, in deren Gedankenwelt muß heute ein Schneeorkan gewütet haben. Einfachste Sätze wie “Ich mag deinen neuen Pullover” scheiterten schon am richtigen Personalpronomen. Selbst die Schritt-für-Schritt-Methode fuhr mit Pauken und Trompeten krachend gegen die Wand. Der schwedische Satz “Jag tycker om din nya tröja” wurde bei der Zerlegung in seine Einzelteile und anschließender Übersetzung ins Deutsche sämtlicher Fehlbehandlungen unterzogen, die es nur geben kann. Auf die Frage, was “jag” auf Deutsch heißen könnte, kam vieles an Ideen, aber das “Ich” brachten sie heute nicht hervor. Ding dong, verständlich, daß bei mir auch langsam Schneetreiben einsetzte. Denn, nachdem wir  bei “tröja” ankamen, was der Pullover ist, verschlug es ihnen endgültig die Sprache – meine Frage, welches Genus denn der Pulli hätte, natürlich einfacher ausgedrückt (ist Pullover ein das-, die- oder der-Wort), war Ruhe im Saal. Oh, wie hätte ich sie … waren doch die Kleidungsstücke mit dem richtigen Artikel Hausaufgabe, in längst vergangener Zeit. Stille. Hätten sie doch wenigstens irgendeinen Artikel in den Raum geworfen …

Was soll ich sagen? Ich habe zum Schluß einfach eingesehen, daß auch die Schüler nur Menschen sind und eigentlich viel lieber im Schnee tollen wollten, als mit meiner Wenigkeit das Austauschen von Komplimenten zu entdecken und zu üben. Das war nämlich eigentlich das Ziel – ein Kompliment geben und die Rückgabe eines entsprechenden Danks. Wir haben dann einfach in den letzten Mintuten die Wörter “Sommerschlußverkauf” und “Winterschlußverkauf” mündlich geübt, solch lange Gebilde sind ihnen nämlich gänzlich fremd und schon fast ein bißchen furchteinflößend. In Schweden sagt man nämlich eigentlich nur kurz REA, wenn es denn sein muß, wird  sommarrea oder vinterrea ausgesprochen.

Und so eierte ich dann die Berge hinunter, gen Falun, im Bus, bei Wind und Schnee, in tiefster Dunkelheit. Leicht unzufrieden über den Tag, dennoch froh, daß man es doch noch bis Falun schaffte. Denn auch uns sollten Schneehäufchen aufhalten, die Verwehungen bildeten sich vor allem am späten Nachmittag recht hoch aus. Spannend war immer die Frage, steht jemand unterwegs an der Haltestelle oder nicht – der Busfahrer konnte nämlich weder die Haltstelle, geschweige denn dort wartende Passagiere ausreichend erkennen, so daß wir mehrmals die Straße entlangrutschten, wenn hastig zur Kenntnis genommen wurde: eine Haltestelle mit Kundschaft!

So sieht das alles aus. Spannend kann ich nur sagen, spannend. Vor allem das mit dem Wetter, irgendwie träumen hier alle schon wieder vom Frühling – im November! Und für mich hat doch der weiße Spaß eigentlich eben erst so richtig begonnen!

Um halb drei wird das Licht ausgemacht!

Um dem Wochenstreß mal etwas Paroli bieten zu können, habe ich mich heute nachmittag mal wieder gen Schanze begeben, bin die unzähligen Stufen hinauf gekrochen und habe fast sämtliche Körperteile der Kälte ausgesetzt. Und so sind zwischen 14 und 15 Uhr ein paar imposante Schnappschüsse entstanden, die ich natürlich nicht vorenthalten will, jedoch möchte ich anmerken, daß der rechte große Zeh noch immer nicht das Bewußtsein wieder voll erlangt hat, die Finger und Hände sind ähnlich arm dran, jedoch reicht es bei ihnen nur zu einer leichten Trübung der motorischen Fähigkeiten. So ein fetter Handschuh trifft aber auch leider nicht den Auslöser, bedauerlich … [...] Fortsetzung ‘Um halb drei wird das Licht ausgemacht!’

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