Archiv für November 2008 Seite 2 von 6



Eis(wuchs).

Vor meiner Uni steht ja ein Springbrunnen, gern auch Fontäne genannt, der trotz klirrender Kälte lustig und munter sein Wasser spuckt, so daß er auf dem besten Wege ist, wieder seinem Namen als Wassereisklops im Winter gerecht zu werden. Freilich habe ich versucht, das einmal auf Bildern festzuhalten, und ich finde nicht, man sieht, es ist ein Springbrunnen … [...] Fortsetzung ‘Eis(wuchs).’

Und es ward ein SLASH!

Auch wenn ich die letzten Tage den Blog etwas schleifen lassen habe, ich bitte da einfach um Nachsicht (Daß ich die letzten Tage weit vor Mitternacht ins Bett gefallen bin, sollte doch ein Zeichen sein), will ich gern mal wieder einen der unzähligen Lernerfolge meiner Neunten zum Besten geben, der mich gestern hinterrücks im Klassenzimmer ereilte und für einige Verwirrungen sorgte. Wir haben nämlich, so ganz nebenbei, mit Nebensätzen angefangen, damit das endlose Aneinanderreihen von Hauptsätzen ein Ende findet, es hört sich ja irgendwann nicht mehr schön an, also z.B.: “Ich will Lehrer werden. Ich mag die Arbeit mit Jugendlichen. Ich mag Sprachen.” Und so fragte ich frank und frei, nichts Böses ahnend, was wir denn letzte Stunde begonnen hätten. Die Antwort war eisiges Schweigen im Walde. So bat ich dann alsbald, daß man doch einfach mal die Schreibhefte aufmachen könnte, schließlich hätten wir ein, zwei Sätze aufgeschrieben, vielleicht wäre das Vorlesen eines solchen ein guter Start. Und just meldete sich auch ein Schüler und begann, ich zitiere wörtlich, vorzulesen:

Ich will Slash möchte Lehrer werden, weil …

Ruhe. Dann meine Frage, was er denn mit Slash meine? Seine Antwort, eigentlich vollkommen richtig, klagte mich an, dies so niedergeschrieben zu haben. Meine anleitende Lehrerin fiel unterdessen schon fast vom Stuhl, vor Lachen, allerdings leise. Dennoch meinte ich spontan und leicht irritiert, daß ich niemals einen solchen Satz an die Tafel geschrieben hätte, zumindest niemals mit einem Slash. Allerdings dämmerte mir in der Sekunde, daß er unter Umständen Recht haben könnte – denn geschrieben hatte ich tatsächlich: “Ich will/möchte Lehrer werden, weil ich die Arbeit mit Jugendlichen mag.” Und dann guckten wir uns eine Sekunde lang an wie kaputte Autos, und dann bekam er sein “Richtig” mündlich von mir vor der ganzen Klasse beschieden. Was ich nämlich einfach nicht bedacht habe: sie konnten zum einen Schrägstrich nicht auf Deutsch wissen, zum anderen haben sie nicht erkannt, daß dieser im obigen Satz die Wahlmöglichkeit zwischen “ich will” oder “ich möchte” markieren soll. Spitze! Eins zu null für den Schüler – das kommt davon, wenn man nicht alles erläutert. Was aber nichts macht, denn auf der anderen Seite, und das finde ich nun doch bemerkenswert, hat der Schüler nach einem Wort, hier also Slash, gesucht, um sich ausdrücken zu können. Und da Slash ja ein Wort ist, das inzwischen zu den Internationalismen gehören sollte, für mich ein akzeptabler Weg, der obendrein auch noch pfiffig ist. Allerdings habe ich ihm und der Klasse dann aber doch nahegelegt, Slash nur zu verwenden, wenn es sich um diesen auf der Tastatur handelt, sonst könnten noch andere verwirrt gucken – mit offenem Mund sozusagen.

Tja, ich kann also nicht klagen, schon gar nicht jammern. Sicher, frühes Aufstehen ist lästig, Schunkelbus bei Schneetreiben in den Bergen nicht unbedingt förderlich für den inneren Frieden, der Nervenzusammenbruch über der Korrektur der Hausaufgabenkontrollen zum Perfekt unwillkommen, die Planung hier und da Fusselarbeit, aber dafür wird man dann doch immer wieder entlohnt, wenn die lieben Lernenden Sprache auf einem solchen Weg neu entdecken und erforschen, und so nebenbei ganz unschuldig die schärfsten Sachen in den Unterrichtung knallen, verbal natürlich! Was will man dann eigentlich noch mehr?

10 Grad (unter null).

2008/11/19 Svärdsjös område - Nach Regenschauer und Temperatursturz von 0 auf -10°C.

2008/11/19 Svärdsjös område - Nach Regenschauer und Temperatursturz von 0 auf -10°C.

2008/11/19 Svärdsjös område - Nach Regenschauer und Temperatursturz von 0 auf -10°C.

2008/11/19 Svärdsjös område - Nach Regenschauer und Temperatursturz von 0 auf -10°C.

Die Bilder entstanden am gestrigen Tage, nachdem es zuvor am Morgen regnete und um den Mittag herum ein Temperatursturz auf -10°C einsetzte. Inzwischen haben wir auch wieder Schnee.

aufgesammelt nr. 235

Ja, das war sehr auffällig, mit Leuchtgas wurde gearbeitet. Die Leute sind dann buchstäblich geplatzt am Himmel, und das war auch unschön … [sie] füllen sich mit diesem Gas … und das geht immer schief … Leuchtgas bis jetzt … also das wurde nicht ein einziges Mal – ging’s gimpflich aus.

Helge Schneider als Dr. h.c. Hartmut Harr über Doping beim Schanzenspringen in:

>>> Prime Time – Spätausgabe. Extremsport pur: Das Felsenfahrrad

Ein Magazin der >>> dctp
(Gesendet 2008/10/13, 0.00 Uhr, RTL)

aufgesammelt nr. 234

Moralpredigten eignen sich überraschenderweise vorzüglich für Selbstgespräche.

>>> Ernst Ferstl (österr. Lehrer und Autor), Heutzutage (Frya 1998, ISBN 3-9012799-71-7)

Zurück zum Ernst (des Lebens).

Ja, ich habe zur Kenntnis genommen, daß ich schon lange nichts mehr verlautbaren ließ, das macht aber auch rein gar nichts, denn ist eigentlich auch nicht viel passiert. Zwei Menschen wurden in der letzte Woche von Bären angegriffen, einer in der Nähe von >>> Kramfors und einer in der Nähe von >>> Bollnäs, sie haben überlebt. Der >>> X2000, Paradezug der heimischen Eisenbahngesellschaft >>> SJ und ICE des Nordens, muß mit seiner gesamten Flotte in die Werkstatt, Alterserscheinungen, sie sind wohl müde, die Züge. Außerdem ist der Schnee weg, es nebelt viel, die Laune hält sich in Grenzen. Die Birne macht hier und da mal wieder Theater, aber doch überlebbar. Die Uni ist wie immer großartiger Mist, ich weigere mich beharrlich, gewisse schwedische Denkweisen innerhalb des pädagogischen Systems zu übernehmen, was auf wenig Gegenliebe bei meiner Seminarleiterin trifft, von meiner anleitenden Lehrerin an der Svärdsjöskolan hingegen begrüßt wird. Die Wochenenden gehen im Moment, Überraschung, mal wieder für Reflexionen und Unterrichtsplanungen drauf, ich weiß schon gar nicht mehr, wie ein Wald von innen aussieht, also zumindest hier in Falun. Den in Svärdsjö sehe ich ja beinahe alltäglich. So auch morgen, wenn ich mich wieder auf den Weg schwingen darf, eher in den Bus, um dann der Achten Kleidung schmackhaft zu machen, in sprachlicher Hinsicht. Und sollte wider Erwarten irgendwas spannendes passieren, so ein fliegender Elch unseren Weg kreuzt oder die Welt sich aufhört zu drehen, dann wird es hier, wie immer, sofort bequascht, erzählt und ausgeschlachtet. Den Lesern wünsche ich einfach einen guten Start in die neue Woche, und viele Grüße aus der falunschen Einheitssuppe, der grauen, naßkalten, dunklen.

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