Archiv für November 2009

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Wie jetzt!?! nr. 15

Im Lichte der >>> Absetzung des Chefredakteurs beim ZDF Nikolas Brender liest man doch überall und fortwährend, wie Roland Koch seine Wirkung im Verwaltungsrat des Zweiten Deutschen Fernsehens sieht:

Die Abstimmung über eine solche Personalie sei ein normaler Vorgang, sagte Koch, der auch stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrats ist. Er fühle sich in vollem Maße als Volksvertreter dazu legitimiert, die Verantwortung im Verwaltungsrat auszuüben.

u.a. bei >>> n-tv.de oder auch >>> tagesschau.de

Ein Volksvertreter will er also sein, der Roland Koch? Besonders dünn muß sie sein, die Luft in der Landeshauptstadt Wiesbaden, scheint sie doch dem Herren mächtig das Hirn vernebelt zu haben. Es mag sein, daß Herr Koch ein gewählter Volksvertreter in Hessen ist, es sei ihm auch zugestanden, deswegen Ministerpräsident sein zu dürfen. Aber wie er nun auf die völlig absurde Idee kommt, ein Vertreter des ganzen deutschen Volkes zu sein, bleibt schleierhaft. Anscheinend hat der hessische Landesfürst etwas Bodenhaftung verloren, denn im Parlament des deutschen Volkes sitzt er nicht, welches allein den Anspruch inne haben sollte, das deutsche Volk zu vertreten, auch wenn man nun darüber streiten kann, ob es dies tatsächlich tut. Zwar mag das Zweite Deutsche Fernsehen, das im Übrigen eigentlich ebenso wie alle anderen Medien durch >>> Artikel 5 Absatz 1 Satz 2 im Grundgesetz verfassungsrechtlich geschützt ist und somit unabhängig von staatlicher Willkür sein sollte, seinen Sitz in Kochs hessischem Hoheitsbereich haben, allerdings ist damit nicht der hessischen Landesregierung und dem Hofherren Koch zugestanden, alleinige Lokalherrschaft in diesem zu installieren. Denn das ZDF hat einen Informationsauftrag für das gesamte Bundesgebiet und nicht nur exklusiv für das Bundesland Hessen, was mit seinen gut 6 Millionen Einwohnern zudem nicht einmal zehn Prozent der gesamtdeutschen Bevölkerung darstellt. Daher stößt es sauer auf, meint ein Lokaldespot ohne gesamtdeutschen Wählerwillen, er stehe als Volksvertreter für das ganze Volk und könne daher beliebig schalten und walten.

Früher hat man übrigens einen solch massiven Eingriff in die freie Gestaltung der Medienlandschaft als Unrecht bezeichnet. Heute reitet man eben auf dem Rücken der Demokratie durch das Land und macht sich die mediale Welt, wie sie einem gefällt – als demokratischer Volksvertreter natürlich.

Ein schwedisches Wort – nr. 45

Angesichts aktueller Ereignisse von wahrer Wichtigkeit, bietet es sich heute einmal an, lieber Leser, Frontalunterricht zu betreiben, natürlich im Rahmen der technischen Möglichkeiten eines Blogs. Ich biete zwei Wörter an, die einem im Moment tagtäglich um die Ohren gehauen werden, und eines, was die anderen beiden mehr oder weniger zusammenfaßt, als wir da nun hätten:

Julbordet + Svininfluensan = förstörda julvansinnet

Nun gut, Svininfluensan schreit ja förmlich gewaltig nach dem deutschen Pendant Schweinegrippe, welchem es dann auch entspricht, grammatikalisch ganz richtig: die Schweinegrippe. Denn, genauso wie in Deutschland hat das Thema Schweinegrippe die Medien und die Gesellschaft in Schweden fest im Griff. Im Zug wird man neuerdings komisch bis bestrafend angeguckt, hustet man aus Versehen ein bißchen. Es ist dabei völlig unerheblich, ob man nun eine Erkältung hat, natürlich eine ganz ordinäre, oder die Klimaanlage des Fliegers die Nase noch zum Tanzen bringt:  Solange man nicht an der Svininfluensa leidet, hat man gefälligst nicht zu husten bzw. ist man von ihr befallen, fährt man natürlich nicht Zug. Allerdings ist die Impfpanik in Schweden in Bezug auf das Virus nicht ganz so dramatisch und heiß diskutiert wie in Deutschland, hier werden ganze Schulen durchgeimpft, ein Phänomen, was ich zuletzt in der DDR erlebt habe. Dennoch hat die Schweinegrippe ernsthafte Auswirkungen auf den Julvansinne. Wer nun bei der Übersetzung ins Schlingern gerät, es sollte nicht so einfach wie bei Svininfluensa sein, dem sei gesagt, daß dies durchaus statthaft ist, dennoch leicht sein sollte, kennt man den Renke und seine Einstellung zum alljährlichen  Weihnachtswahnsinn, der ja bei LIDL und Co. schon Ende August Einzug hält. Und genau dieser Wahnsinn, der Julvansinne, wird nun angegriffen durch die Svininfluensa. Sicher, das Aufstellen von Tannenbäumen wird kaum durch die Schweinegrippe tangiert, auch die Wahlen der Lucia anläßlich des Sankta-Lucia-Tages sollten kein Problem sein, allerdings wird mehr und mehr das Julbord über den Haufen geschossen. Wer es noch nicht kennen sollte, Julbordet heißt frei übersetzt soviel wie  der Weihnachtstisch und stellt eine schwedische Tradition dar, die alljährlich massenweise zelebriert wird, ab Ende November bis ran zum Heiligabend. Dabei wird meist ein Buffet aufgebaut, an dem man sich dann schön der Reihe nach bedient und an den unterschiedlichsten Gerichten vergreift, wie z.B. an Köttbullar, Julskinka (Weihnachtsschinken), Janssons frestelse, Julmust, Schnaps usw. Und damit man auch maximal in Gesellschaft essen und trinken kann, wird dieses Julbord so ziemlich von allen und jedem abgehalten und durchgeführt. Die Angestellten der Universitäten haben ihr Julbord, genauso wie kleine und große Firmen, Schulen, Studentenheime, Kindergärten, jeder, aber einfach jeder muß einmal im Jahr an solch ein Julbord ran. Wirklich immer einmal im Jahr? Diesmal nicht! Denn inzwischen werden auf Grund der Schweinegrippe reihenweise die Weihnachtstische umgekippt. So hat jüngst ein südschwedisches Unternehmen seinen dreitausend Angestellten mitteilen lassen, daß dieses Jahr das Massenessen ausfallen werde, anstatt eines gemütlichen Beisammenseins am Tische wird nun ein Massenausflug in den Zirkus im Frühling angesetzt. Die Mitarbeiter sehen die Sorgen ihres Arbeitgebers freilich ganz anders und sind leicht aufgeregt darüber, daß ihr geliebtes Julbord einfach abgesetzt wurde und glauben nicht daran, daß die Absage zum Schutze der Gesundheit getätigt wurde. Vielmehr bestehen sie darauf, daß ihr Julbord durchgeführt werde, so zumindest kann man dies in den >>> Dagens Nyheter vernehmen.

Und damit hätten wir eigentlich auch schon den zerstörten Weihnachtswahnsinn, förstörda julvansinnet, in Schweden bremst man leicht die Traditionen aus. Sicher, Weihnachten ist nun nicht total zerstört, ich würde niemals ein solches Szenario aufbauen, allerdings ist es schon interessant zu beobachten, wie die Nationen unterschiedlich berührt werden – angegriffen von der Schweinegrippe. In Deutschland wird ja mehr oder weniger geunkt, daß man Fußballspiele meiden solle, auf diesen Trichter ist man hier aber noch nicht gekommen. Ein schwerer Eingriff ist die Absage eines Julbord schon, für die Schweden. Ich selber feiere die Angst vor dem Virus, denn ich kann, es tut mir leid dies konstatieren zu müssen, mit dem Julbord nichts anfangen. Wie schon mehrmals bekannt gegeben, hasse ich Julmust, auch Janssons frestelse ist fern davon, mein Herz weihnachtlich aufleben zu lassen und bei Julskinka renne ich einfach nur noch weg, weit weg. Abzuwarten bleibt allerdings, inwiefern sich die Panik bis nach Falun vorarbeitet, bisher stehen zwei Einladungen zum Julbord in meinem Kalender, und bisher ergab sich keine Möglichkeit, diese mit dem Radiergummi vom Papiere zu fegen. Daher rücke ich davon ab, daß wir hier in Falun bereits einen zerstörten Weihnachtswahnsinn hätten, ganz im Gegenteil, der Vermieter stellt schon wieder Tannenbäume en masse in Höfen und Vorgärten auf, ich wurde gestern von Weihnachtsliedern beim Einkaufen gnadenlos und hinterrücks überwältigt und irgendwie rennen hier im Studentenwohnheim schon alle ganz panisch hin und her, weil Geschenke her müssen. Das Wort shopping wird inflationär durch die Flure gehallt und ich selber frage mich bei Ankunft dieses in meiner Ohrmuschel immer, was das eigentlich mit Weihnachten zu tun hat …

Aber was soll man machen, der Entzug vom Weihnachtswahnsinn ist schwerlich durchzuführen, ich säße sonst nur noch in meinem Kämmerlein und betrachtete die Wand. Daher schreiten wir also frohen Mutes gegen Schweinegrippe in den Wahnsinn und lassen Weihnachten einfach auf uns zukommen! In diesem Sinne sei die heutige Kurzausbildung in der schwedischen Sprache beendet und ein Gruß aus einem grauen und nicht winterlichen Falun, es regnet und regnet, in die Welt entsandt.

(zurück) geweht.

Ich mache es diesmal ganz kurz. Selten, daß beide Flüge, also hin und zurück, durch Sturmtiefs führten, was mich aber nicht wirklich abhielt, mich auch heute wieder gen Schweden zurück wehen zu lassen. Seltsam waren nur die Kreaturen am Flughafen Schönefeld, die ihren Kopf bei Windstille im Terminal (ich versichere an Eides statt die Abwesenheit von irgendwelchen Änderungen der räumlichen Lage des Gebäudes an sich) voll Eifer und Anmut direkt beim Einsteigeschalter immer wieder in den Mülleimer rammten und hierbei Geräusche produzierten, die zwar auf sehr schlechtes Flugwetter schließen lassen konnten, so wir denn schon in der Luft und über der Ostsee gewesen wären. Interessant dabei war auch der Gruppenzwang, es ging reihum bei der schwedischen Jugendgruppe, der Leithammel fing mit einem Getöse das Brechen an (der Kopf haute gegen die Metallöffnung, von innen natürlich), die Rudelmitglieder folgten sogleich. Es versteht sich von selbst, daß ich auf die Einhaltung eines Mindestabstandes im Flieger bestanden habe … was anhand der schwachen Auslastung kein Problem war. Denn wenn ich schon meinen Sitz festhalten muß, dann möchte ich nicht auch noch andauernd in Deckung gehen müssen, weil der eine oder andere Schwede den Alk wieder rauspressen muß. Ja ja, wie heißt es doch so schön: Einen guten Flug!


2009/11/24 * Take-off EDDB/SXF/Berlin Schönefeld, rwy 25 * Ryanair 9704, B737-8AS, reg. EI-EBA * Destination airport: ESKN/NYO/Stockholm Skavsta. It was a bit of a shaky take-off.

Soll erfüllt.

Ich kann mitteilen, daß ich endlich mal wieder die Sonne gesehen habe, hoch oben in den Lüften, in einem wahnsinngen Tiefrot, nämlich beim Aufgang über der Ostsee. Ein Foto konnte man meinerseits leider nicht machen, man saß auf der falschen Seite. Zwar wäre ich so flexibel gewesen, zwecks Aufnahme eines solchen auf die andere zu wechseln, allerdings machte dies das sich zwischen Nord- und Ostsee bewegende Orkantief “Jürgen” zur Gänze unmöglich, so mußte in Schweden die Öresundbrücke gesperrt werden, zudem hat das Tief für Waldschäden und Stromausfälle in Skåne (Schonen) gesorgt. Ich hatte eher damit zu tun, mich selber am Sitz festzuhalten, denn durch das Flugzeug zu pendeln, bedauerlich natürlich. Allerdings müssen die restlichen Reisenden, es waren vielleicht 60, einen ähnlichen Anreisemarathon wie ich bestritten haben, das Krachen, Knacken und Fahrstuhlfahren hat keinen interessiert, allerdings staunten meine Vordernachbarn, wie extrem flexibel doch ein Flugzeugflügel ist, vor allem, wenn die Verbiegungen wellenförmig verlaufen und das Ganze nur noch im Sturme flattern lassen … Und um mal wieder den Vorführeffekt zu bemühen: in Berlin war dieses Tief noch nicht angekommen, der Anflug war annehmbar. Allerdings feiern die Blätter hier inzwischen auch luftige Kirmes. Ich selber werde nun mein Schlafdefizit ausgleichen, das Spiegelbild schreit nach Augenpflege!


2009/11/18 * Approach/Landing EDDB/SXF/Berlin Schönefeld, rwy 25 * Ryanair 9703, B737-8AS (WL), reg. EI-DWH * Arriving from ESKN/NYO/Stockholm Skavsta.

Fahrplan.

15 Uhr Hochschule – ab 16 Uhr bis 19 Uhr Bibliothek zum Schuften. Punkt neunzehn Uhr wird alles kundenfreundlich herausgedrängelt, denn der Zug nach Stockholm geht um 19.32 Uhr. Eintrudeln in Stockholm gegen 22.30 Uhr. Kauf einer Busfahrkarte für die Fahrt nach Skavsta. Hiernach Anfahrt zur Barbara, die mich freundlicherweise kurzfristig (bei mir herrschte Planungschaos) aufnimmt. 2.30 Uhr Bus in Richtung Innenstadt Stockholm. 3.45 Weiterfahrt mit einem Fernbus in Richtung Skavsta (der angebliche STOCKHOLM-Flughafen von Ryanair mitten im Wald), geplante Ankunft dort um 5.15 Uhr. Um 6.30 Uhr geht es dann frisch und munter weiter mit Ryanair nach Berlin SXF, geplantes Aufschlagen dort dann um 8.00 Uhr.

Aber man will nicht meckern, ich zitiere mal freundlichst meine Schwester, man hat sich das ja alles selbst ausgesucht: “Wie gesagt Renke, das machst du ja alles aus freien Stücken. Aber bitte, du kannst beim nächsten Mal ja die Fähre nehmen und anschließend weiter mit der DB fahren.”

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