Archiv für Dezember 2011

Dazwischen.

Du: Renke, nun bist Du ja an Heiligabend nach Berlin geflogen, seit dem hat die Welt nicht mehr erfahren dürfen, was eigentlich das Leben so macht. Man weiß ja, daß du Weihnachten nicht unbedingt frenetisch feierst, es stellt sich da schon die Frage, wie dieses denn nun überlebt wurde?

Ich: Im Gegensatz zum letzten Jahr war der Flieger pünktlich. Und ja, ich mag Weihnachten nicht über die Maße hinaus. Sicher, der Heiligabend wurde würdig, dennoch einfach begangen. Ein Mitglied der Familie ist ja im fernen China und war nicht hier. Dennoch fiel es mir zu, mein Entsetzen war groß, einer Ente Feuer unter dem Hintern zu machen, was so nicht geplant war …

Du: Wenn dies nicht geplant war, und wie plant man eigentlich Weihnachten, was war denn die Planung?

Ich: Eine Planung ist die Organisition von Ereignissen in einem zeitlich festgelegten Zeitrahmen, wie z.B. an Weihnachten. Meine Planung war es, um acht Uhr zu landen, nach Hause zu fahren und zu schlafen. Die Planung meiner Familie war es, drei Enten auf einem Blech in einem Backofen zu befeuern. Ich war übrigens in letztere Planung nicht involviert. So ergab es sich, daß die drei Enten auf die Planung verzichteten und nur zwei auf einem Blech in einen Ofen passen wollten. Das kollidierte nun also mit der Planung meiner Familie und mit der meinigen, denn nun mußte eine Ente auf ein anderes Blech in einen anderen Ofen. Da alle irgendwie verplant waren, blieb meine Schlafplanung, die außer Kraft gesetzt wurde. Wie schön für die Ente, wie schlecht für mich.

Du: Sollte dies etwa das Fest eingetrübt haben?

Ich: Aber nicht doch! Eine gute Zusammenarbeit zwischen mir, dem Backofen und der Ente hat zu fantastischen Ergebnissen geführt, auch wenn meinerseits der Small Talk Richtung Ente bei 200°C irgendwann einschlief. Geschmeckt hat es, und den Abend gerettet. Und bevor noch mehr Fragen kommen:

  • Heiligabend gut überstanden
  • den Rest auch
  • viel unterwegs gewesen und nette Menschen getroffen
  • Wieviele Hirnzellen gehen eigentlich bei den Festen zwischen den Festen drauf?
  • Stockholmer Besuch heute in Empfang genommen
  • will heute abend zum Brandenburger Tor, mit dem Besuch

Und dann schauen wir mal!

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Und wenn ich dann fertig bin mit dem Schauen und Kieken und Wissen, dann ist wohl schon ein neues Jahr angebrochen. Ein unbekanntes, unvorhersehbares. Dennoch möchte ich an dieser Stelle allen einen guten Rutsch wünschen, mögen all die Vorsätze fürs neue Jahr auch diesmal wieder in einer Seifenblase gefangen sein und spätestens nach dem Katerfrühstück am 1. zerplatzen – bei Sturheit und Überzeugung darf ich auch gern alles Glück dieser Welt zum Gelingen wünschen; es wird!

Frohes Neues!
Happy New Year!
Gott Nytt År!

[das letzte Stockholmer] Telegramm 2011

Und siehe da, es war soweit:

  • nach unzähligen deutschen Weihnachtskaffeetrinkenunterrichtsstunden kann ich keine Weihnachtssüßigkeiten mehr sehen, selbst Dominosteine kommen mir zu den Ohren raus – ich hoffe, daß diese fatale Situation bis morgen abend einer Lösung zugeführt wird
  • die letzten Hausaufgabenkontrollen wurden soeben von mir kontrolliert, schließlich steht ja nirgendwo geschrieben, daß das Weihnachtsfest von Bildung abhalten solle
  • Stockholm wird seit langem mal wieder ein grünes Weihnachtsfest erleben, der Wetterbericht sagt 11°C für die kommenden Tage voraus, im Moment rennt der Schnee vor dem Regen weg –  es wird ihm nichts nutzen

Und damit wäre dann das Jahr in Stockholm auch schon beendet. So einfach ist das. Morgen früh um halb sieben noch geschwind nach Berlin geflogen, und dann kann das Fest beginnen. Möge es kurz und bündig werden … zumindest für mich.

Dem Leser sei natürlich an dieser Stelle ein ruhiges und besinnliches Weihnachtsfest gewünscht, ganz ohne Geschenkekrawall und brennendem Tannenbaum. Und da Bildung nie schaden kann, auch nicht zum Weihnachtsfest, erfolgt dieser Gruß wie schon die letzten Jahre auch standesgemäßt auf Schwedisch – in diesem Sinne:

God Jul! 

[schwedische] Weihnachtsküche

Hin und wieder versuche ich an dieser Stelle ja den kulturellen Austausch. So erklärte ich u.a. vor zwei Jahren den Begriff >>> Julbord [den Weihnachtstisch mit Essen en masse] und ließ den Leser auch einen Einblick in des >>> Schwedens Küche nehmen.

Und da es nun zwei Tage vor dem Feste ist, möchte ich dem Leser nicht vorenthalten, wie der gemeine Schwede den Imbiß für den Heiligabend festlich anrichtet und aufbaut. Selbstverständlich hätte ich auch dieses Jahr gern die schwedischen Weihnachtstraditionen bis zum bitteren Ende ausgefochten und ausgeköchelt [ich erinnere daran: in Schweden tanzt man am Heiligabend um den Weihnachtsbaum], allerdings ist meine Familie der Meinung, daß es logistisch wesentlich einfacher ist, wenn ich gen Heimat fliege anstatt eines familiären Ausfluges nach Schweden. Ich schließe mich freilich dieser Argumentation an und gebe einfach zur Kenntnis, daß es nicht die schwedische Küche ist, die mich zum Verlassen des Landes am Morgen des 24. veranlaßt.

Und nun fein die Äuglein aufgemacht und Film frei für die schwedische Weihnachtsküche.


>>> Regular Ordinary Swedish Meal Time auf YouTube

[Stockholmer] Telegramm 4

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Der waagerecht runterfallende Regen geht in Schnee über. Damit klebt die Chose besser im Gesicht. Von Winter kann allerdings immer noch nicht gesprochen werden, ich werde wohl das zweite Mal in knapp sieben Jahren Schweden die Anfänge eines >>> grön jul, also eines grünen Weihnachtsfestes erleben. Ich überlege immer noch, ob ich konsterniert bin.

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Was Berlin in Sachen S-Bahn kann, können wir schon lange! Nachdem sich die Tochter der Deutschen Bahn am Donnerstag höchst effektiv >>> selbst abgeschossen hatte [mal wieder], >>> folgte am Freitagnachmittag, so richtig schön während des Berufsverkehrs, der Stockholmer Flughafen Arlanda. Und wie in Berlin hatte auch in Stockholm irgendjemand oder irgendwas >>> den Stecker gezogen. Es war kein Strom mehr da, der auf Grund einer um 14.45 Uhr untergehenden Sonne zur Befeuerung der Lande- und Rollbahnen durchaus als notwendig betrachtet werden kann. Eine Ruhe war das vor meinem Fenster …

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Wann wird nur endlich Weihnachten? Meine Schüler ticken reihenweise aus, ich kann nicht behaupten, daß meine Nachmittagsunterrichtsstunden am Freitag noch geordnet waren. Ein verwaltetes Chaos nur noch, Rumpfunterricht, ein Kampf zwischen Tafel und Schulbank, so ungefähr könnte man das per Sprache definieren. Ich kann es ihnen aber nicht übelnehmen. Wenn Mütter sich mit ihren Kindern in der S-Bahn wegen zu kleiner Weihnachtsgeschenke in die Haare kriegen, und Passanten in Fußgängerzonen zu Gewaltausbrüchen neigen, weil ihnen ein Vater mit Kind und Kegel und vier übergroßen Tüten voller Kinderspielsachen den Weg streitig macht, dann kann es nur logisch sein, daß meine Schüler selbiges im Klassenzimmer versuchen. Die Betonung liegt auf versuchen: nicht mit mir.

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Meine Kamera verkommt. Ich staune, daß sie sich überhaupt noch anstellen läßt. Und auch wenn es mich danach gelüstet, mit ihr durch Wald und Feld zu springen, wir sind hier leider nicht in Falun [da liegt übrigens ein halber Meter Schnee]. Es gibt einfach nichts, was vor die Linse muß. Ich bedauere dies zutiefst und hoffe auf zwei Umstände: Daß der Winter endlich seinen Hintern hierher geschwungen bekommt, und daß ich demnächst wieder dem Reif-für-die-Insel-Reflex nachkomme – Föhr.

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Einen ruhigen und in den Einkaufstempeln dieser Welt kampffreien vierten Advent wünsche ich.

Ein schwedisches Wort – nr. 49

Am gestrigen Freitagmorgen war die Weltpresse ja durchaus mit wichtigen Ereignissen auf unserem Planeten beschäftigt. So werden in Stockholm und Oslo die Nobelpreise übergeben, wie jedes Jahr am 10. Dezember, dem Todestag von Alfred Nobel. Etwas wichtiger, nicht verwunderlich, war gestern auch der >>> Klimagipfel in Durban, dem ja das Scheitern drohte bzw. immer noch droht. Die Nummer eins am gestrigen Morgen war sicherlich aber der >>> EU-Gipfel in Brüssel, manche Medien meinten ja, das Überleben der EU würde von ihm abhängen.

In Schweden hingegen machten sich ganz andere Sorgen breit, die größte Tageszeitung des Landes, die man für lau aus einem Zeitungsspender entnehmen kann, stellte entsetzt auf ihrer Titelseite fest:

2011/12/09 Metro Stockholm, Titelseite.
Ausriß: >>> metro, Ausgabe Stockholm, 2011/12/09, Titelseite.

 julgranspanik
Auf diesem Wörtchen soll die Aufmerksamkeit liegen, und der findige Leser wird mir sicher beipflichten, daß vor allem das letzte Drittel des Wortes wohl offensichtlich ein Ausdruck dafür ist, daß etwas nicht stimmt. Der Grad dessen läßt sich relativ einfach messen, schwedische Panik unterscheidet sich in Bedeutung und Wirkung rein gar nicht von der deutschen. Schuld an der Panik sind übrigens, wie man auf dem Ausriß noch erkennen kann, die Dänen. Das lästige Nachbarvolk muß immer als Erstes daran glauben, wenn in Schweden etwas den Bach heruntergeht. Eine Stufe tiefer landet die Provinz Schonen (Skåne), die man wahrscheinlich mit dem Beliebtheitsgrad der Bundesländer Sachsen und Sachsen-Anhalt vergleichen könnte, was an dieser Stelle natürlich nicht meine eigenen Ansichten widerspiegelt. Die Schonen sind also immer dann hilfsweise schuld, wenn die Dänen und ihr Land schon ausreichend durch den Kakao gezogen wurden.

Natürlich sind die Dänen und Schonen nicht an dem Ergebnis des EU-Gipfels in Brüssel schuld, schon gar nicht können sie sich die Verantwortung für den schleppenden Verlauf des Klimagipgels auf die Fahnen schreiben. Dennoch ist es ihnen gelungen, für Panik in Schweden zu sorgen, denn der Frühling bei ihnen war einfach zu kalt. Konsequenz dieses eigensinnigen Klimaverhaltens ist, daß einige Gewächse nicht ausreichend gedeihen konnten, die ein jeder Schwede in Bälde jedoch benötigt, in seiner heimischen Hütte. Und dies klappt nun dieses Jahr offensichtlich nicht so, wie man sich das erhofft hat. Was eigentlich heißen soll, daß die Preise für jene Gewächse angezogen haben. Wir wissen ja, das im Kapitalismus Angebot und Nachfrage den Preis regeln; wird es etwas knapp, so wird’s eben teurer. Wie eigentlich alles in diesem Jahr, so direkt vor Weihnachten. Das hält die Leute aber nicht vom Kaufen ab. Im Gegenteil, beim örtlichen LIDL an meiner Schule in Tumba zankt man sich neuerdings panisch um Dominosteine und Marzipanstollen, in der S-Bahn werden seit Tagen fast schon hysterische Blicke ausgetauscht, setzt man sich mit seinen Einkaufstüten voller eingepackter Geschenke auf seinen Platz. [Die Tüten werden natürlich weit geöffnet und sichtbar plaziert, man möchte ja zeigen, daß alles noch größer, bunter und edler geht. Wer dann mit seiner eigenen Tüte nicht mithalten kann, wird indirekt durch Blicke zum Aussteigen aufgefordert, was hier und da zu panikartigen Fluchtaktionen führt].

Ich gebe zu, ich weiche vom Thema ab. So saß ich gestern Morgen also in der S-Bahn, hatte mich durch Konsultation des Internets darüber informiert, daß die EU wahrscheinlich in einer Sinnkrise steckt, überlebte übrigens auf dem Gange zur S-Bahnstation fliegende Mülleimer, ausgelöst durch einen heftigen Sturm in der Hauptstadt, und wurde dann also durch das Titelblatt meiner Morgenlektüre gewzungen, mich mit einer schwedischen Panikattacke auseinander zu setzen.

 julgranspanik –   Weihnachtsbaumpanik

Ich frage mich, wann eigentlich bei den Schweden die Alarmglocken so richtig loslegen? Klimawandel und ein zerknautschtes Europa reichen zumindest jetzt nicht aus, um auf die Titelseite zu gelangen, obschon Schweden als Mitglied der Union und Teilhaber am Weltklima mit im sinkenden Boot sitzt.

In freudiger Erwartung der Auswüchse dieser Panik (ich habe da schon gewisse Fantasien im Kopfe), und dem Wissen, daß ich keinen Weihnachtsbaum brauche (er paßt schwer ins Handgepäck), wünsche ich nun einfach und unkompliziert einen schönen dritten Advent, der sich hoffentlich am morgigen Tage ohne Nebenwirkungen einstellt.

[Stockholmer] Telegramm 3

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Zur Kenntnisnahme, liebe Freunde des Festes: Weihnachten fängt bei mir am 24/12 um 6.30 Uhr an Bord des Air-Berlin-Fluges 8101 nach Berlin Tegel an. Keine Sekunde früher. Und wehe, mir kommt ein Jultomte früher entgegen, und winkt mit seinen Kaufhausflyern und wünscht mir ein frohes Fest! Das wird dann ein gegenseitiger Kulturschock der übelsten Art!

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Oh Wunder. Berlin meldet vorgestern noch vierzehn Grad plus, bei uns wagen sich, sehr verspätet [eigentlich unverzeihlich spät], die ersten Schneeflocken vor, natürlich vom Himmel kommend. Sollte es dieses Jahr doch noch was mit Winter werden???

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Ich bin baß erstaunt darüber, daß man bei der Deutschen Bahn doch tatsächlich einen Fahrschein von Stockholm nach Berlin für 49 € erstehen kann. Und wer nun denkt, man müßte zwölfmal umsteigen: weit gefehlt. In Kopenhagen hopst man einfach aus dem schwedischen X2000 hinaus und in den deutschen ICE hinein. Einzig die kurze Reisezeit von gut 12 Stunden sorgt dafür, daß man dann doch lieber das Doppelte für Air Berlin und Co. ausgibt.

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Es steht im April eine Klassenreise nach Berlin an. Wunderbar, wenn meine Schüler sich auf Klassenfahrten so benehmen, wie ich das zuweilen tat, dann wird mir übel. Wahrscheinlich werde ich dann im April meine ehemaligen Lehrer anrufen und kollegial um Entschuldigung bitten [eher nicht].

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Eine angenehme Restwoche!