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Auf der Mauer, auf der Lauer
[und anderes]

Man mag es vielleicht gar nicht glauben, aber meine Wenigkeit war früher eigentlich ein richtiges Gesangstalent. Der Schulchor nahm mich mit Kußhand, Weihnachten wurde der Weihnachtsbaum immer und überall gesanglich beschallt, und selbst in einen Fernsehchor schaffte man es einmal, die DDR existierte noch. Und dann kam der Stimmbruch. Pflanzen knickten ein, trällerte ich frank und frei meine Lieder, der eine oder andere Hund suchte die Flucht, dem Weihnachtsbaum durchfuhr es derart, daß die Nadeln eiligst zum Abgang ansetzten und der Chor verzichtete auf meine Gesangseinlagen.

Nun denn, auf Grund der vorliegenden Fakten lag es in weiter Ferne, daß ich irgendwann noch einmal Fans hätte, die ausflippten, setzte ich zum Singen an. Allerdings kam nun alles anders, ich habe einen Fanclub, auch wenn der nur aus einem winzigen, italienisch-schwedischen süßen Fratz besteht. >>> David León rennt nicht weg, bemühe ich meine Stimmbänder mit einer Melodie, er protestiert auch nicht schreiend. Ganz im Gegenteil: Mit “Auf der Mauer, auf der Lauer” scheine ich einen echten Hit gelandet zu haben, wovon man sich gern überzeugen kann.

David León bei "Auf der Mauer, auf der Lauer", vorgetragen von Renke.
David León bei “Auf der Mauer, auf der Lauer”, vorgetragen von Renke.

Natürlich kann ich mit den Hits von Mama auf Italienisch nicht mithalten, ihr sei da selbstverständlich der Vortritt gelassen. Wenn es dann aber um Deutsch geht, scheint “Auf der Mauer, auf der Lauer” besonders faszinierend zu sein. Vielleicht liegt es aber nur daran, daß ich dabei immer außerordentlich viele Faxen mache, möglicherweise denkt David León auch einfach nur, wie kindisch eigentlich die Erwachsenen sind, wenn sie sich mit jungen Geschöpfen beschäftigen und macht sich darüber lustig. Das gilt vor allem dann, wenn meine Wenigkeit gezwungen ist, unerwarteterweise seine Windel wechseln zu müssen. HERRJE! Ich habe das ja schon an anderer Stelle mit Entrüstung festgestellt: Auf jeder Zahnpastatube steht drauf, daß sie stehend aufbewahrt werden soll, auf jeder Kekspackung ist eindeutig die Aufreißstelle und -richtung angemerkt, selbst die Gepäcklabel am Flughafen haben eine Montageanleitung.

Wenn ein stinknormaler junger Mann hilfsweise eine Windel wechseln muß, guckt er wie ein Schwein ins Uhrwerk, denn eine Bedienungsanleitung sucht er auf der Verpackung der Windeln vergebens.

Sicher, nun könnte man argumentieren, Frau Mama hätte mir das zeigen können, bevor sie das Haus verläßt. In diesem Fall ging das aber nicht, weil die gute Silvia aus Krankheitsgründen recht dringend zum Arzt mußte, und dabei wurde der Wechsel einer solchen Windel einfach nicht weiter thematisiert. Denn ansonsten stellt sich meine Wenigkeit eigentlich hervorragend an, wenn es gilt, den kleinen Spatz zu versorgen.

Aber an sowas denkt die Windelindustrie natürlich nicht. Mir scheint, die gehen davon aus, daß man selbst als Nichtelternteil einen Kurs besucht hat.

Kannste nix machen – Experiment “Windel wechseln” wurde also in harter Zusammenarbeit zwischen León und Renke angeschoben, praktiziert und erfolgreich beendet, auch wenn León mit seinen Augen deutlich zu verstehen gab, daß er den Eindruck hatte, ich würde mich wie ein Volldepp aufführen. Jedoch ließ er sich weiter nichts anmerken, ein Protest durch körperlichen oder stimmlichen Einsatz blieb aus, und Frau Mama kam gerade rechtzeitig zur Abnahme zurück, die dann auch vollzogen wurde.

Und da sage noch jemand, das Leben wäre langweilig?

Am Ende:
Skandinavisches Utopia hat seine Unschuld verloren.

Es ist erschreckend, mit welcher Wucht >>> die jüngsten Ereignisse in Norwegen den Norden getroffen haben. Nicht, weil die Brutalität eines einzigen Individuums ein Ausmaß erreicht hat, daß die Vorstellungskraft des Menschen übersteigt. Nicht, weil ein Autobombe im Zentrum einer Stadt explodiert ist. Nicht, weil viele Menschen dem Ganzen zum Opfer gefallen sind. Nein, weil Norwegen gezeigt hat, daß die “Vorstellung vom skandinavischen Utopia … nie der Realität [entsprochen hat].”*

Der Deutsche, auch ich tat dies vor meinem Umzug nach Schweden, sieht in Skandinavien die perfekte Symbiose zwischen Staat und Inidiviuum, in weiten, grünen Landschaften, hier und da mit roten Holzhütten, ein bißchen Schnee, ein bißchen Sommer, ein bißchen der Elch, immer friedlich. Viel Wohlfahrt, Lebensqualität und schiere Sicherheit.

Der Skandinavier sieht seine eigene Gesellschaft im Prinzip ähnlich. Er würde dem Deutschen wohl zustimmen, spräche dieser über seine Vorstellungen in Bezug auf Skandinavien.

Und ich habe mich immer gewundert. Ich habe zur Kenntnis genommen, daß Skandinavien nicht nur aus einer homogenen Masse aus Individuen besteht, die kollektiv die Gesellschaft voranbringen wollen und prägen. Ich habe zur Kenntnis genommen, daß der Skandinavier auf Konfliktfreiheit bedacht ist, koste es, was es wolle, und wenn dabei persönliche Belange und Gefühle abseits gestellt werden. Ich habe zur Kenntnis genommen, daß Schweden, Dänen und Norweger zum >>> “Fest der Völker” nach Jena reisten.  Ich habe zur Kenntnis genommen, daß die Partei >>> “Sverigedemokraterna”, der Vergleich zur NPD sollte nicht zu gewagt sein, im schwedischen Reichstag sitzt. Ich habe einfach zur Kenntnis genommen, daß vieles in Skandinavien nur Schein ist, dabei spielt meine deutsche Perspektive oder die der Skandinavier keine Rolle.

Das >>>  “Brudervolk” der Schweden, wie die schwedische Presse in den letzten Tagen immer wieder Norweger bennante, hat eine bittere Lektion durch die Realität erhalten. Und es verstört eben nicht nur die Menschen in Oslo, nein, auch der Schwede ist sich des Ausmaßes noch nicht bewußt, er reagiert ungläubig und verletzt. So hielt man am gestrigen Tage auch in Schweden inne, um Punkt 12 Uhr gedachte man der Opfer, eine Schweigeminute ließ die Gesellschaft erstarren.

Ich bin entsetzt darüber, wie man hier in Skandinavien den Anspruch erheben kann, besser zu sein als alle anderen. Sich im Norden zu befinden, reicht nicht. Man ist in Skandinavien nicht von den Einflüssen der Welt abgeschnitten. Das Internet macht vor der Ostsee nicht halt. Das Fernsehen macht vor der Ostsee nicht Halt. Gedanken machen vor der Ostsee nicht Halt. Gewalt macht vor der Ostsee nicht Halt. Haß macht vor der Ostsee nicht Halt. Ein Drang nach Vernichtung macht vor der Ostsee nicht Halt. Der Tod macht vor der Ostsee nicht Halt.

Es ist bitter, daß die “Skandinavische Gesellschaft” auf diese Art und Weise erfahren muß, daß sie sich kaum von der in anderen Ländern unterscheidet, daß sie nicht in einer uneinnehmbaren Festung sitzt, die jeglichen gesellschaftlichen Strömungen trotzen kann. Die Ereignisse in >>> Dänemark und >>> Stockholm haben gezeigt, daß der Norden genauso verwundbar ist wie der Rest der Welt. Daß der Ausbruch allerdings aus dem Innersten der Gesellschaft heraus  stattfinden würde, ist eine Dimension, derer man sich bisher nicht bewußt war.

Der Norden steht, zumindest ist das mein Eindruck, im Moment mit dem Rücken zur Wand und sucht nach einem Ausweg, einer Erklärung, einem Verständnis. Einem Verständnis dafür, was da in und vor Oslo passiert ist. Die nächsten Wochen und Monate werden zeigen, wie die Gesellschaft Stellung hierzu nimmt. Anders zu sein als die anderen, kann sie allerdings nicht mehr für sich proklamieren, der Einschnitt durch die Ereignisse in Oslo ist nicht mehr zu retuschieren, bedauerlicherweise.

* = Manfred Bleskin: Zwischenruf. Rechter Sumpf: Nicht nur in Norwegen.
 >>>  http://www.n-tv.de/politik/politik_kommentare/Rechter-Sumpf-Nicht-nur-in-Norwegen-article3893481.html (zuletzt aufgerufen: 2011/07/26)

(fast immer schlafender) Mitbewohner.

Ich hatte ja neuerlich schon angedeutet, daß ich inzwischen wieder ein WG-Mensch bin, hier in Schweden nennt man das auch “inneboende”. Und zwar bei einer guten Freundin, die eigentlich aus Italien kommt, welche ich selber das erste Mal in Berlin traf, sie dreimal bei ihrem Austauschstudium in Falun besuchte, danach mich selbst nach Schweden begab, sie unterdessen dann aber irgendwann nach Stockholm zog. Tja, und nun hat sich der Kreis also wieder geschlossen, wir wohnen friedlich unter einem Dach. Spannend für mich an der ganzen Sache ist natürlich, daß Silvia im Mai Mutter geworden ist, alleinerziehend, und ihr Kind nun recht international aufwächst. Seine Muttersprache wird natürlich Italienisch sein, da ich jedoch dieser Sprache nicht mächtig bin, kommunizieren Silvia und ich natürlich auf Schwedisch, das Ganze auch vor dem Kind. Und meiner einer hält jeden Tag Deutschstunden mit dem Kleinen ab, ich gebe zu, so ganz klappt das aber noch nicht, vor allem das Kasussystem bereitet uns Schwierigkeiten. Armes Kind, möchte man fast meinen. Ich halte mich natürlich sehr zurück, alles Schritt für Schritt. Wenn wir nicht beim Deutschunterricht weilen, dann ist der Racker recht friedlich und vergnügt, bzw. schläft er zur Gänze, und das stundenlang. Was für ein Leben!

David León. Schlafend.
David León. Schlafend.

Spaß macht es mir, dem David León beim Wachsen zuzusehen, er gedeiht recht prächtig. Er guckt zwar skeptisch, lulle ich ihn wieder mit Deutsch ein, allerdings kann er sich zuweilen ein dicken Grinsen nicht verkneifen, wahrscheinlich hält er mich für leicht durchgedreht. Man kann ihnen ja leider nicht in die Köpfe gucken.

Wie man sieht, das Leben nimmt immer wieder überraschende Züge an, ich hätte vor zehn Jahren sicherlich nicht behauptet, ich würde irgendwann einmal in Stockholm leben, zusammen mit einer alleinerziehenden Mutter. Es wird einfach nicht langweilig in meinem Leben, und schon gar nicht, wenn man einen solchen Mitbewohner hat.

Too far away …

Zwar ist es im Moment eine denkbar ungünstige Zeit zum Reflektieren, aber ich stelle eben fest, daß ein Jahr Beziehung, die ja nun deutlich ihr Ende gefunden hat, abstumpft. Nämlich immer dann, wenn man eigene Bedürfnisse des lieben Friedens willen zurückstellt. Dabei kommt dann zwangsläufig der eigene Geschmack unter die Räder, und siehe da, man hört sich stundenlang Kate Bush, Nina Hagen und Milva an. Was an sich ja nicht schlimm ist, wäre man nicht mit der elektronischen Musik aufgewachsen, wie mir das passiert ist. Und wenn man nicht immer absolute Ablehnung erfahren hätte, wollte man ein bißchen Bewegung in die Hütte bringen. Schließlich hat man sich das Gegenteil ja auch angehört. Too far away …

Nun denn, er ist wieder, wenn man das mal so flapsig ausdrücken darf, da und Berlin kann sich in zwei Wochen frisch machen, die Abfahrt ist viel zu lange her!

Alter Schwede!

Am gestrigen Tage hatte ich wieder die Ehre, meine Touristen auf Schloß Drottningholm zu führen, was an sich recht angenehm ist, weil das Schloß bei weitem nicht so überrannt wird wie das Schloß in der Altstadt, allerdings ist die Sortierung der unterschiedlichen Besitzer des Schlosses und seiner Regenten recht anstrengend, man muß aufpassen, welchen Namen man mit welcher Ordnungszahl in Verbindung bringt, bzw. ist es wichtig, die Zwischennamen den richtigen Vornamen zuzuordnen. Denn wir hätten da unter anderem die Königinnen >>>  Hedvig Eleonora av Holstein-Gottorp, >>>  Ulrika Eleonora, född prinsessa av Danmark, drottning av Sverige und nicht zu vergessen Königin >>> Lovisa Ulrika av Preussen. Die Damen waren natürlich nicht einsam, so daß man auch die dazugehörigen Kinder und Ehemänner im Köpfchen haben sollte, als da u.a. wären: >>>  Kung Karl X Gustav av Sverige, >>>  Kung Karl XI av Sverige und  >>> Kung Karl XII av Sverige. Gott sei Dank wird die ganze Riege an Karls zwischendurch aufgelockert, >>> Kung Adolf Fredrik av Sverige bringt ein bißchen Abwechslung auf die Zunge.

Und nachdem man wieder einmal heil aus dieser Führung herausgekommen ist, ohne dabei die Zunge über den Jordan zu schicken (erst das Ganze auf Schwedisch, dann auf Deutsch), und man frank und frei mit der Gruppe am Schloßtheater entlanglief, um zum Busse zu gelangen, da passierte es wieder (ich war gerade dabei, mir vor meinem geistigen Auge auf die Schulter zu klopfen) – es wurde eine Frage gestellt: “Woher kommt eigentlich …?” Nun denn, bis zum “eigentlich” hatte ich mir nichts böses gedacht, vielleicht würde etwas wie “… der Name Drottningholm?” oder “der Name Chinaschloß?” nachgefragt. Nein, diesmal sollte es rein gar nichts mit dem Schloß zu tun haben, es war einfach die allgemeine Frage:

Woher kommt eigentlich die Redewendung “Alter Schwede”? 

Schade, ich bin leider kein etymologisches Wörterbuch, vielleicht werde ich irgendwann mal eines, aber gestern war an dieser Stelle dann Schluß mit lustig. Dem Fragenden mußte ich leider eine Antwort schuldig bleiben, habe aber inzwischen, wenn auch zu spät, die Lösung gefunden. Und da das Internet ja auch einen Bildungsauftrag hat, will ich meine Recherchen zu dieser Redewendung auch gar nicht vorenthalten.

Des Rätsels Lösung also ist, daß der Begriff “alter Schwede” nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges aufkam. Die Schweden waren ja unter dem König >>> Gustav II. Adolf u.a. bis nach Bayern vorgedrungen, wurden allerdings später von >>> Wallenstein zurückgedrängt. Jedoch waren die Schweden recht renitent und kampferprobt, so daß sie nach dem Krieg von >>> Friedrich Wilhelm I. von Brandenburg, der später in den Nordischen Kriegen gegen das schwedische Königreich kämpfte, für sein Heer als Ausbilder angeworben wurden. Durch ihre erfolgreichen Methoden vor allem in Bezug auf den Drill der Soldaten, verschafften sich die Schweden Respekt bei den Männern von Friedrich Wilhelm und wurden kurzerhand einfach nur noch “die alten Schweden” genannt. Die positive Konnotation hat sich bis heute gehalten, zumeist wird diese Redewendung ja z.B. als freundschaftlicher Anruf angewendet bzw. als Ausdrucksmittel von Bewunderung als auch positiver Überraschung benutzt.

Tja, nun weiß ich es, und hoffe, daß diese Erklärung ein Weilchen im oberen Stübchen sitzen bleibt. Sie könnte sogar noch ein bißchen Platz machen, ich warte eigentlich bei jeder Führung darauf, daß man mich nach den “schwedischen Gardinen” fragt. Ich hatte die Erklärung dafür schon einmal erforscht, aber sie ist mir unerlaubterweise abhanden gekommmen. Das mit den grauen Zellen ist eben doch eine schwierige Sache.

PS. Feierlich verspreche ich an dieser Stelle, es zu unterlassen, solch historische Erklärungen fortlaufend und kontinuierlich in meinen Blog zu setzen.

PPS. Ich habe einfach google.de zu meinen Recherchen benutzt, Suchbegriff: >>> Etymologie “alter Schwede”.

Sinnlos, was sollen wir hier machen?

Tja, da war es also am letzten Mittwoch wieder soweit, halb vier raus aus dem Bett, schnieke gemacht und dann ab in den Bus zum Flieger. Und das Gute daran: die Fahrt dauerte nur zehn Minuten. Herrlich, wie nahe der Flughafen doch inzwischen ist, vorbei die Zeiten von endlosen Zugfahrten und dem Übernachten auf Arlandas harten Fluggastbänken. Ein bißchen mehr Luxus im Leben nun, sozusagen.

Und warum flog der Herr schon wieder in der Weltgeschichte herum? Ganz einfach, der eigene Geburtstag stand an, und auf Grund gewisser Veränderungen hier in Stockholm, die vor allem auf die Sommerplanungen erheblichen Einfluß hatten und diese veränderten, hatte ich mich relativ kurzfristig entschieden, dann doch in Berlin zu feiern. Daher gilt es an dieser Stelle auch ein großes Dankeschön an alle da draußen in Berlin zu senden, die in Ruhe und Bescheidenheit zusammen mit mir ins neue Lebensjahr gestolpert sind, es war mir wie immer eine große Freude! Und natürlich habe ich mich auch über die unzähligen Gratulationen derjenigen gefreut, die nicht zur Stelle waren und das ganze fernmündlich bzw. fernschriftlich getan haben. Und da ein Geburtstag ja nie genug ist, wurde am dann einen Tag später gleich noch weitergefeiert, der Tradition entsprechend, denn Uli wurde ja nun auch ein Jahr älter.

Irgendwann allerdings war dann auch mit der ganzen Feierei Schluß, denn am Sonntag war für mich schon wieder Touristenführung in der Stadt angesagt, so daß ich am Samstag relativ ausgeruht am Nachmittag gen Stockholm über Riga aufbrach. Nun wird man sich wahrscheinlich fragen, ob das nicht ein Umweg wäre, aber die einzige direkte Verbindung an einem Samstag war durchaus teuer, so daß sich der Umweg mit >>> airBaltic wirklich lohnte, zumindest in preislicher Hinsicht, und siehe da, ich bin entgegen vieler Erwartungen nicht mit der Propellermaschine abgestürzt, sie ist sanft und sicher in Riga runtergekommen.

Ausschlafen am Sonntag also fiel aus, um halb sechs saß ich schon wieder in der S-Bahn in Richtung Stadtzentrum, um dann gegen acht in Nynäshamn am Schiff meine Touristen einzusammeln.  Eigentlich hatten wir eine wunderbare Tour, vor allem im Vasamuseum, es lief alles wie am Schnürchen, und als es dann Zeit war, die Gäste in der Altstadt zu verabschieden, wurde ich doch tatsächlich darauf hingewiesen, daß einige Gäste irritiert wären, weil sie nun vier Stunden in der Stadt Zeit hätten, ehe sie von Shuttle-Bussen wieder zum Schiff gebracht würden: “Sinnlos, was sollen wir hier machen? Es ist doch Sonntag und alles geschlossen!” Herrlich. Also irgendwie hatte ich sekundenweise den Eindruck, alle hatten ihre Augen geschlossen, als wir mit dem Bus durch die Stadt gefahren sind. Es waren, wie immer an einem Sonntag in Stockholm, ein Haufen Leute unterwegs, die wie die Ameisen in die Einkauszentren geströmt sind. Irgendwie war mir nicht ganz klar, was man mit der obigen Feststellung meinte, und ich fragte deswegen noch einmal nach, was genau denn nun sinnlos wäre, und die Antwort war genaus kryptisch wie die erste Feststellung der Gäste: “Na Sie wissen doch, es ist Sonntag!” Es blieb mir dann einfach nichts anderes übrig, als darauf hinzuweisen, daß man hier in Schweden selbst am Tag der Arbeit ganz normal einkaufen gehen kann und versicherte fast an Eides statt, daß man genug Möglichkeiten hätte, auch an einem Sonntag sein Geld loszuwerden, zumal man sich ja in der Altstadt befände. Naja, mir wurde das beim Abschied noch nicht ganz geglaubt, einige waren skeptisch, ob denn nun die teuren Eurofallen für Touristen auch wirklich zugänglich wären (siehe da, wir erinnern uns, normalerweise bezahlt man hier mit der schwedischen Krone), und ich grübelte noch in der S-Bahn auf dem Weg nach Hause darüber, warum man nun eigentlich so heiß darauf war, sein Geld unbedingt an einem Sonntage loszuwerden. Beschweren will ich mich aber nicht, man beschied mir wieder einmal gute Führungskompetenzen und war erleichtert, eine echte Berliner Schnauze vor sich zu haben, in den anderen Städten war das wohl eine recht üble Sache mit den Führungen auf Deutsch, zumindest meinten die Gäste das, und der Gast hat immer Recht, nicht wahr?

So sieht das also aus. Morgen steht schon die nächste Tour auf dem Programm, allerdings wurmt es mich, daß Schloß Drottningholm wieder auf dem Fahrplan steht. Ich mag dieses Schloß nicht. Wenn ich mir Wohnzimmer angucken möchte, fahre ich zu IKEA. Genau. In diesem Sinne, frohes Schaffen!

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