Archive Seite 6 von 162



Auf Schritt und Tritt.

In Deutschland wird ja in Bezug auf die Einführung des Google-Dienstes >>> Street View noch heftig >>> diskutiert und >>> gestritten, in Schweden allerdings scheint der Dienst mehr oder weniger heimlich still und leise Einzug gehalten zu haben. Denn besuchte ich neuerlich einmal mehr das hiesige >>> Google-Maps, welches ich zugegeben schon des öfteren hier angewandt habe, um zu entdecken, daß neben unserer Hauptstadt Stockholm auch das relativ kleine Falun Eingang in Googles totale Ablichtung von ganzen Regionen gefunden hat. Die Überraschung meinerseits war zwar nicht ausufernd groß, allerdings war sie latent vorhanden. Geht man davon aus, daß in Deutschland Googles Projekt bisher nur in den Medien als riesiges Schreckgespenst existiert, kann ich für Schweden konstatieren, kaum eine öffentliche Diskussion über den virtuellen Stadtplan mit Besuchsfunktion gefunden zu haben. Daher konnte man, wenn man sich auf die Medien verließ, nicht damit rechnen, in den lokalen Nachrichten Wind davon zu bekommen, daß Google Street View nun auch für den heimischen Garten verfügbar wäre. Wahrscheinlich liegt dies aber in der schwedischen Grundeinstellung der Gesellschaft, daß ein jeder fast alles über den anderen herausbekommen kann, ich nenne an dieser Stelle nur einmal als Beispiel das Gehalt. Möchte ich wissen, was mein Nachbar im Jahr verdient und an Steuern bezahlt, so sind nur wenige Klicks im Internet notwendig, um ganz legal an diese Informationen zu gelangen. Daher sind die Schweden offensichtlich auch nicht bestürzt darüber, daß man ihnen unverblümt in den heimischen Garten schauen kann, Onlineverfolgung auf Schritt und Tritt eben.

Ich selbst stehe dem, zwar schon reichlich aber noch nicht vollkommen “försvenskat”, natürlich nicht unkritisch gegenüber, auch wenn ich manch dramatische Auswüchse in Deutschland nicht ganz verstehen kann. Es wirkt schon komisch, schreit einer, der sein Leben in Blogs, Foren und bei sozialen Netzen wie Facebook zur Gänze ausbreitet, plötzlich nach Datenschutz, wenn das Google-Auto mit der Kamera auf dem Dach bei ihm vorbeifährt.

Ich glaube, viel umfangreicher will ich das Ganze nicht kommentieren, zumindest nicht hinsichtlich der Diskussionen. Wer nun dennoch einen kleinen Blick auf Falun wagen will, dem seien ein paar Bilder von Google Street View hier vorgestellt, wobei anzumerken sei, daß Google es kaum geschafft hat, die besten Seiten von Falun zu zeigen. Das liegt einerseits daran, daß man nur die Hauptstraßen abgefahren und fotografiert hat, andererseits müssen die Bilder im Frühling entstanden sein, die Natur schwächelt nämlich arg auf den Bildern. Aber von sowas soll man sich ja nicht abhalten lassen, es kommen sicher bessere Zeiten. Den virtuellen Stadtrundgang kann man trotzdem wagen, man möge einfach ein bißchen mit der Maus im Bilde herumspielen … es sollte das Vorwärtskommmen erleichtern. Ärgerlich allerdings ist, wie ich in einem Selbsttest soeben zur Kenntnis nehmen durfte, daß Opera offenbar leichte Probleme hat, eine korrekte Darstellung der Google-Einbettung vorzunehmen, mit Firefox funktioniert es aber reibungslos, der Internet-Explorer verweigert hier und da seine Mitarbeit. Schöne neue Medien-Welt!


View Larger Map
Falun – Lugnet. Mit Blick auf das Scandic-Hotel, dahinter die Högskolan und natürlich die Schanze von Falun.


View Larger Map
Falun – Bojsenburg. Sichert das Überleben der meisten Studenten hier und sieht doch ganz vertraut aus …


View Larger Map
Falun – Britsarvet. Das alles geliebte Wohnheim “Britsen”.


View Larger Map
Falun – Centrum. Schön ist natürlich was anderes, aber Schandflecken sollen ja auch in anderen Städten vorkommen …

(Massen-) Verkehrsmittel in Falun.

Es ist doch recht drollig zu lesen, was Architekten so alles in und mit Falun vorhaben, vor allem in Hinblick auf den öffentlichen Personennahverkehr. Im Moment kommt unser kleines Städtchen, das (aber sehr) knapp 37.000 Menschen ein Zuhause bietet, mit einem Bahnhof aus, der zwei durchgehende Hauptgleise hat. Zudem besitzen wir, dies erstaunt meine Gäste immer wieder, ein Busnetz, das hauptsächlich von vier Hauptlinien gesponnen wird. Zwei von diesen Linien sind, ich nenne das einfach mal so, im Berufsverkehr im 15 Minutentakt unterwegs, und ja, die Hütte könnte dann voll sein. Am Wochenende allerdings sieht es schon recht düster aus, am Samstag kommt man eventuell noch zwei mal in der Stunde öffentlich vorwärts, am Sonntag bedeutet ein zu spätes Erreichen der Haltestelle eine Stunde Wartezeit. Darüber hinaus gibt es noch Bedarfslinien, die unter Woche hier und da mal durch die Gegend gedüst werden, von einem rechten Takt sollte man aber nicht sprechen, schick sehen sie am Wochenende allenfalls auf den Fahrplänen aus.

Es sollte also angebracht sein, spricht man von einer Grundversorgung in Sachen ÖPNV, die freilich weit entfernt vom Massentransport in Großstädten wie Stockholm, Berlin oder Rom ist. Umso erstaunlicher ist nun der Vorschlag einiger Architekten, auf der einen Seite die Högskolan Dalarna von Lugnet ins Stadtzentrum zu holen, was natürlich nichts mit dem öffentlichen (Massen-)Transport zu tun hat, und auf der anderen Seite im Zuge dessen einfach mal eine Straßenbahn in Falun einzurichten. Richtig gelesen, eine Straßenbahn soll nach Vorstellungen dieser Architekten, auf Schwedisch nachzulesen bei >>> Dalarnas Tidningar, auf den Gleisen der ehemaligen Güterbahn Grycksbo – Falun (- Hosjö) entlangrauschen und die Massen von einem Dorf durch die Stadt ins andere befördern.


Visa Straßenbahn Grycksbo – Falun – Hosjö på en större karta

Das wäre, wenn der Vergleich gestattet ist, also ungefähr so, als flöge man zwischen Erkner und Velten halbstündlich mit dem Airbus A380 hin und her, natürlich mit Zwischenstop in Oranienburg.

Nun denn, früge man mich, was die Architekten wohl kaum tun werden, plädierte ich, wenn wir schon ein Massenverkehrsmittel brauchen, dafür, bei Siemens und Bombardier anzufragen, ob nicht auch ein ICE in Falun durch die Gassen gejagt werden könnte. Daß die Züge winterfest sind und auf Faluner Gleisen nicht ihre Radreifen verlieren, setzte man natürlich voraus, auf dem Testgelände Deutsche Bahn AG haben sich ja klitzekleine Mängel dahingehend eingestellt, bei der dritten Generation der ICEs, die hier sicher zu einem Zusammenbruch des ÖPNVs führen würden.

Trefflich sollte nun ein altes Sprichwort sein: Schuster, bleib bei deinen Leisten. Allerdings scheint es dafür keine Übersetzung ins Schwedische zu geben. Eine Straßenbahn in Falun wäre einfach nur ein kleines bißchen Größenwahn mehr, reihte sich dann aber anstandslos hinter die >>> neun Schanzen ein, die Falun, soweit ist der Entscheidungsprozeß schon (wenn nicht ein Bürgerbegehren noch einschreiten kann), bald sein Eigen nennen darf.

Ob ich das noch erleben werde?

gefroren bis suppig. flockig.

Auch wenn in den letzten Tagen leichte eisige Stille an dieser Stelle herrschte, kann ich doch berichten, daß auch in Falun hier und da der Frühling seine ersten Anflüge gewagt hat, was dazu führte, daß Eis und Schnee tagsüber ihren Rückzug antraten, nach dem Sinken der Sonne das Eis allerdings wieder hinterrücks auf Wegen und Treppen zuschlug. Am Samstag war bei zehn Grad über null damit allerdings dann auch Schluß, es taute auf allen Äckern und Wiesen, gerade rechtzeitig, um den >>> Svenska Skidspelen 2010 so richtig in die Seite zu fahren, denn Probleme gab es dieses Jahr en masse. Man selbst konnte auf Grund gewonnener Karten (der Vermieter ist schuld) zwar umsonst hineinkommen, aber schnell war klar, woran dieses Jahr alles krankte – es war einfach zu naß:

2010/03/20 Falun/Riksskidstadion Lugnet – Svenska Skidspelen – Die Spur führt ins Wasser.
2010/03/20 Falun/Riksskidstadion Lugnet – Svenska Skidspelen – Die Spur führt ins Wasser.

Zwar hielt sich der Schnee wacker auf den präparierten Strecken bei strahlendem Sonnenschein, allerdings beschwerten sich alle mehr oder minder über das Sauwetter. Die Besucher robbten in Schlammlöchern umher, meine Schuhe versuchen bis heute verzweifelt, dem Trockensein etwas näher zu kommen (Winterschuhe mit Futter trocknen ja besonders “schnell”). Die Skiläufer wollten bei der Hitze nicht so recht Fahrt aufnehmen, einige, so erschien es jedenfalls meiner Wenigkeit, machten eher den Eindruck in den Ferien zu sein denn in einem internationalen Wettkampf:

2010/03/20 Falun/Riksskidstadion Lugnet – Svenska Skidspelen – Nr. 43 (Ilia Chernousov, RUS) und Nr. 50 (Anders Svanebo, SWE) scheinen Urlaub zu machen.
2010/03/20 Falun/Riksskidstadion Lugnet – Svenska Skidspelen – Nr. 43 (Ilia Chernousov, RUS) und Nr. 50 (Anders Svanebo, SWE) scheinen Urlaub zu machen.

Die Deutschen hatten im Gegensatz zum >>> letzten Jahr rein gar nichts zu melden, wenn man von einem kleinen Erfolg Angerers am Samstag mal absieht. Es scheint, als hätte die Wärme nicht nur dem Winter arg zugesetzt. Zumindest als Besucher bemühte man sich wacker im Walde an der Strecke auf dem Hügel den Wasserfällen etwas entgegensetzen zu können.

Der Sonntag schob dem Frühling dann allerdings ein Stopschild vor die Nase, 15 cm Neuschnee trollten sich vom Himmel herab, locker flockig selbstverständlich, und der Winter ward mit aller Macht zurück. Damit war dann ein morgendlicher Ausflug am heutigen Tage zur Universität auch wieder in einer Bilderbuch-Winterlandschaft möglich:

010/03/22 Falun/Hästbergs kyrkogård. Endlich mal wieder Schnee ...
010/03/22 Falun/Hästbergs kyrkogård. Endlich mal wieder Schnee …

Es lebt sich also weiterhin wortwörtlich locker und flockig in der Mitte Schwedens, auch wenn durch eine lange Berichtspause eher der Eindruck entstanden sein muß, Falun sei untergegangen. Ich versichere, daß dies schlichtweg nicht stimmt und hoffe, eine bessere Woche sollte vor mir liegen, hier und da wieder ein bißchen mehr Zeit für die exklusive Berichterstattung aus Dalarna finden zu können. Wir werden sehen!

Dezentes Contenance-Problem.

2010/03/14 Britsen - Korridor F-undre
2010/03/14 Britsen – Korridor F-undre. Customer Relations à la Kopparstaden.

Keine (eklatanten) Änderungen.

2010/03/06 Falun - Zieht sich. [Zum Vergrößern ins Bild klicken.]
2010/03/06 Falun – Zieht sich.

2010/03/06 Falun - Warten auf Befreiung.
2010/03/06 Falun – Warten auf Befreiung.

2010/03/06 Falun - Abend.
2010/03/06 Falun – Abend.

Vierunddreißig.

Stunden, vierunddreißig Stunden waren es genau in Berlin, ich glaube, der bisher kürzeste Trip dorthin. Dennoch nicht ohne Action, ich mußte mich ja am Sonntag mit dem Orkan Xynthia anlegen, flog man doch direkt in ihn hinein, was sich vor allem, mal wieder, beim Anflug und der Landung auf Schönefeld bemerkbar machte, die Leute haben vor lauter Erleichterung nach dem Aufditschen geklatscht. Ich klatsche ja grundsätzlich nicht, sonst müßte ich beim LIDL in Zukunft wohl noch damit anfangen, wenn an der Kasse alles richtig gemacht wurde!?! Und außerdem: Ein vorbereiteter Passagier weiß, was auf ihn zukommt, das Flugwetter ist in Zeiten des Internets abrufbar. Da muß man nicht in Panik schon vor dem Abheben, mein Nachbar tat dies, mit dem Ausstieg drohen, vernahm man doch durch ein fernmündliches Gespräch, es sei stürmisch in Berlin, um dann nach der Saulandung auch noch frenetisch zu klatschen. Keine Manieren hat das Flugvolk bei Ryanair, wenn man dies mal so pauschalisiert an dieser Stelle in die Welt setzen darf! Dennoch sei zugegeben, daß auch mir der Anflug irgendwann unheimlich wurde, denn irgendwie wollte die Maschine nicht runter. Aber, da kann man dann einfach nichts machen.

Nun denn, nachdem Omas Geburtstag angemessen und mit Bedacht am gestrigen Tage begangen wurde, und man dafür einfach mal schnell rüberflog, man dies also gern machte, habe ich heute morgen schon wieder den Rückweg angetreten, allerdings mehr oder weniger ohne Schaukeln und pfeifende Böen, es war recht leer in der Maschine, man hatte seine Ruhe, und geklatscht wird morgens um zehn eh noch nicht. Leicht erschlagen allerdings bin ich von den unterschiedlichen meteorologischen Bedingungen, die sich durch meinen schnellen Wechsel der Orte ergaben. Falun verließ man bei -8°C und Schneefall, Berlin erreichte man bei Sturm und +8, um dann mehr oder weniger der Wärme wieder den Rücken zu kehren und bei -8°C und Schneefall in Skavsta aufzuschlagen. Da macht das hauseigene Biosystem schon mal die Grätsche. Und die mache ich in ihrer Gesamtheit nun auch, im übertragenen Sinne natürlich, ich bin nämlich platt, man könnte es auch als müde deklarieren. Deswegen sei nun an dieser Stelle das Ende eingeschoben, es reicht ja erst einmal, daß meine Wenigkeit wieder zurück in schwedischen Landen ist. Und ganz meinen Prinzipien treu bleibend, hier noch ein bißchen Bewegtmaterial vom heutigen Flug. Gern hätte ich ja das Runtergegurke und Aufdonnern in Schönefeld präsentiert, aber es war stockdunkel, was ich zutiefst bedauere, jedoch nicht ändern kann.


2010/03/02 * Take-off EDDB/SXF/Berlin Schönefeld, rwy 25 * Ryanair 9704, B737-8AS, reg. EI-DWT * Destination airport: ESKN/NYO/Stockholm Skavsta.


2010/03/02 * Approach/Landing ESKN/NYO/Stockholm Skavsta, rwy 26 * Ryanair 9704, B737-8AS, reg. EI-DWT * Arriving from EDDB/SXF/Berlin Schönefeld

Seiten: << 1 2 3 4 5 6 7 |161 162 >>