2011/07/10 Stockholm Märsta. NextJet SE-MAK auf Anflug, in Begleitung, nach dem Abheben von Startbahn 1R am Flughafen Stockholm Arlanda.
Also ich frage mich, wozu ich eigentlich all die Jahre Fernsehen geguckt habe, wenn doch der Blick aus dem Fenster viel spannender ist? Nun, daß die Flieger inzwischen seitlich an meinem Fenster vorbeirauschen, das hatte ich ja schon erwähnt, daß sie zuweilen aber auch direkt darauf zusteuern, war mir bis heute unbekannt. So richtig hat das mit dem Treffen aber noch nicht geklappt, ich weiß nicht, ob die Vögel (ich unterstelle böswillig, es waren Möwen) den Piloten abgelenkt haben? Vielleicht sollte ich einfach eine Kerze ins Fenster stellen? Wären ja nur ein paar Meterchen tiefer …
2011/07/10 Stockholm Märsta. NextJet SE-MAK im Vorbeiflug.
Dann könnte man nämlich direkt durch mein Zimmer und weiter in die Küche. Immerhin. Wozu braucht man da noch Fernsehen?
Scherz beiseite. Natürlich würde ich einen Flieger in meinem Zimmer nicht unbedingt willkommen heißen, ich bin nämlich eben mit meiner Umzugsauspackerei fertig geworden. Ich wollte mit diesem Eintrag nur meiner Bewunderung fürs Fliegen, so man es noch nicht mitbekommen hat, mal wieder Ausdruck verleihen.
Richtig, denn nach meiner Rückkehr am Mo aus Berlin hängt hier noch das Hirn in leichter Schieflage, was sicherlich auch dem Umstand geschuldet ist, daß ich eine richtige Sause zu Ehren von Ina und Peter erleben durfte. Herrje, das erinnert an die guten, alten Zeiten, als man nach dem Feiern gleich unbeschwert wieder durch die Gegend hopsen konnte, was bei mir zumindest nicht mehr so einwandfrei funktioniert. Natürlich waren die Befürchtungen, ich hätte irgendwo auf einer Parkbank übernachtet, völlig übertrieben, schließlich habe ich sogar den Flughafen und meinen Flieger gefunden. Jedoch, meine Führung am Dienstag dann morgens hier Stockholm war schon recht anstrengend, zumal mein Magen anscheinend noch in Berlin war, denn das Schunkeln auf dem Ausflugsbötchen so mitten auf der Ostsee bei Windstärke 8 bereitete leichte Probleme.
Wie auch immer, ich danke nun ganz spontan all denen, die meinen Berlinaufenthalt so richtig spannend, feierlich, nachdenklich, spontan und mit ihrer Zeit gestaltet haben. Es war einfach nur dufte … wie immer eigentlich. Wir sehen uns ja bald schon wieder, in genau einer Woche.
[Sollte dennoch etwas unerwartetes hier im hohen Norden passieren, so à la Renke schwimmt mit seinen Touristen in der Ostsee, na dann werde ich sicher berichten.]
2011/06/27 Stockholm Märsta. Etwas farbig vor dem Fenster. Gegen 22.45 Uhr.
So sieht das, zumindest hier in Märsta, vor dem Fenster aus, abends um 22.45 Uhr. Der Umzug ist nun endlich beendet, das WG-Leben hat mich zurück. Schickes eigenes Zimmer, mit Blick in Richtung Arlanda, ich wohne sozusagen jetzt schon fast auf der Landebahn. Je nach Windrichtung kann ich nun, sollte mir danach sein, jeden Tag in die Luft starren und den Fliegern beim Abheben oder Landen zugucken, von Fluglärm habe ich bisher nichts mitbekommen.
Sicher, in die Stadt sind es nun ein paar Kilometer, aber mit der S-Bahn ist das in einer guten halben Stunde zu packen. Auf der anderen Seite ist man der Natur etwas näher und dem Großstadtstreß etwas ferner. Und immerhin, Märsta ist die letzte Instanz in der Provinz Stockholm, daher darf ich mich auch weiterhin Stockholmer schimpfen. Soweit also die Aussichten für den Moment, das Chaos hier vor dem Schreibtisch will natürlich Beachtung geschenkt bekommen. [Ich darf noch anmerken, daß ich Umziehen hasse. Das habe ich schon immer getan, tue ich im Moment und werde ich auch weiterhin tun.]
Nachdem ich gestern zweimal meinen Kaffeepott in tänzerischer Manier umrundet habe, eine Erklärung des Mittsommerfestes findet sich >>> hier, bin ich einfach mit der S-Bahn gen Märsta gefahren und habe zusammen mit Silvia, León und meiner neuen Liebe Zeta den Mittsommerabend begangen. Zeta ist, bevor nun alle vom Stuhl fallen, Silvias Katze, die mir nicht mehr von der Stelle weicht, ich denke, mein Einzug am heutigen Tage sollte ein einschneidendes Erlebnis für uns beide sein. Tja, und da ich brav gegen Mitternacht nach Hause gefahren bin (die Kollateralschäden an Mensch und S-Bahn waren GEWALTIG), und immer noch die Buchstaben auf der Tastatur finde, wird der Morgen wohl ohne Kater begonnen, ich bin gespannt, wie es mit dem Rest der Bevölkerung aussieht … Es sollte wehtun!
Und morgen war es dann wieder soweit: der Mittsommerabend, auf Schwedisch midsommarafton genannt. Der gemeine Schwede fährt dann aufs Land, rammt die Mittsommerstange in die Erde und beginnt nach reichlich Essen und Trinken, wobei der Schwerpunkt des ganzen Abends sich immer mehr auf zweiteres verlegt, um eben diese Stange zu tanzen. Je nach Schwere der Alkoholvergiftung kann dieser kollektive Tanz als solcher noch identifiziert werden, zuweilen allerdings ist die Feinmotorik derart außer Gefecht gesetzt, daß man nur von unkontrollierten Bewegungen in diverse Richtungen sprechen kann, ergo also eine Koordination des Körpers nicht mehr stattfindet. Damit man den entsprechenden Promillewert im Blut auch wirklich erreicht, wird am heutigen Donnerstag das Systembolaget [ wir erinnern uns: der staatliche Alkoholabgabeladen] gestürmt, denn morgen ist dieses bekanntlich geschlossen. Dies wiederum eröffnet also die Möglichkeit, am heutigen Tage durch Kampfeslust aufzufallen, schließlich ist so ein Laden normalerweise schon am Nachmittag leergekauft, wer eben zu spät kommt, den bestraft das Leben [hilfsweise das Systembolaget]. Natürlich kann man den Mittsommer auch in der Stadt feiern. Als Mittsommerstange hält dann einfach irgendeine Haltestange in der U-Bahn her, wer es selbst nicht mehr in ein solches Vehikel schafft, der kann auch gern um Tische herumtanzen oder diese gleich komplett erobern. Sollten auch Tische nicht zugegen sein, eignet alles andere, was umtanzt werden kann, z.B. Straßenlaternen, Gullideckel, ausgeführte Hunde, der Papierkorb oder ein ausgewählter Pflasterstein. Wichtig nur: niemals einsam durch die Stadt ziehen und den Tanz um die Stange [bzw. die Alternativen] wagen, die Ausfallerscheinungen durch das Mittsommerfest sind ein kollektives Erlebnis!
Ich werde morgen einfach um meinen Kaffeepott tanzen, denn ein Schwede bin ich nicht, und kollektive Besäufnisse sind, auch im Jahre sechs hier in Schweden, nicht meine Sache. In diesem Sinne: Trevlig midsommar!
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