Durchaus [m]ein Weihnachten!

Viel zu berichten gibt es eigentlich nicht!

Drei Brände in einem Schuljahr überstanden.

195 Noten aufgesetzt.

Meine eigene Klasse nach Stockholm entführt.

Und meine Kollegen im Vasamuseum gebildet.

Den Klimawandel zur Kenntniß genommen. Schnee?

Und dann Weihnachten. Im Deutschunterricht. Das Singen wurde unterlassen.
Das Hören nicht.

Heiligabend. Nicht die Hölle. Leise. Und ein bißchen laut. Mit Gans. Und endlich wieder Grünkohl. Mit der Familie. Mit meiner: Muttern, Oma, Schwestern, Tante und dem Kalle. Meine Familie.

Und was so ein Renke nach 23.30 Uhr nach dem Fest macht?
Er flieht und geht tanzen. Darf man das so sagen? TANZEN?
Bis morgens um fünf? Im >>> SchwuZ! Skandal? Das Auge ißt mit.

Es ist verdammt lange her, daß der Heiligabend nicht meine Nerven zerfressen hat. [Zehn Jahre exakt. Man war auf Wolke 7. Verliebt.
An Heiligabend?]

Einfach mal Freiheit fordern. Und nehmen.

Frohe Weihnachten, meine Lieben!

[Berliner] Telegramm Nr. 3

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Eigentlich sollte man froh sein an dieser Stelle. Das Schuljahr ist abgeschlossen, ich habe sie alle durchgebracht. Nicht durch Nettigkeiten. Niemals. Harte Arbeit. Und ich habe ab sofort eine feste Stelle. Nicht schlecht bezahlt.

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Das Feedback meiner Schüler: „Renke! Wie immer. Ein bißchen durchgeknallt. Zweimal im Jahr launisch. Aber: Drei Jahre Deutsch, das letzte mit Dir. Und richtig weitergekommen nur in den letzten 12 Monaten.“
Man dankt.

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Unschön und am letzten Tag für richtig Verwirrung gesorgt: Eine Kollegin an meiner Schule wurde „gegangen“. Der Chef für die Grundschulen hat das Knall auf Fall beschlossen. Die Gründe sind undurchsichtig, nach meiner Meinung sogar nur vorgeschoben. Aber genaueres weiß man nicht. Dennoch, meinerseits wieder die Einsicht: Schwedische Gewerkschaften, so es denn nicht gleich die der Piloten oder Flugbegleiter sind, haben keine Zähne. Man könne nichts machen. Auch wenn die Umstände dubios sind. Man könne vielleicht die Abfindung noch etwas besser gestalten. Für das Kollegium scheint dieses Ereignis einen Bruch herbeizuführen. Das Personalfest am Abend des letzten Tages habe ich mir gespart. Mein Hirn war an dem Tag auf Grund einer hartnäckigen Erkältung eh schon ausgelaugt, das Konzept „Friede, Freude, Eierkuchen“ hätte nicht gewirkt. Zudem muß ich mal wieder das Arbeitsteam wechseln, was recht unschön ist, braucht man doch mindestens ein Jahr (nach meinen Erfahrungen), um in einem solchen Team richtig anzukommen.

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Das Berliner Wetter ist unschön und kann dem schwedischen in Sachen Bibbern und Auswringen der Klamotten durchaus Konkurrenz machen. Daher habe ich es mir auch nicht nehmen lassen, die ersten Tage in Berlin einfach nur faul auf der Couch zu liegen und apathisch den Fernseher anzustarren. Aber da passiert ja auch nicht viel. Obacht, Reklame ist immer noch spannend. Coral hat da einen Clip für Buntwäsche und Feines, als Mittel der Propagandaschlacht hüpfen Frauen vor und zurück und sind entzückt, wie leuchtend doch die Wäschestücke nach dem Waschgang mit jenem Produkt sind. Schade, tiefstes Mittelalter. Männer jagen im Wald das Wild und die Frauen waschen anschließend das Blut aus den Klamotten. (Das ließe sich übrigens auch bei Reklame für Spültabs, Geschirrspülmittel, Haushaltsreiniger, Fleckenentferner, … usw. fortsetzen.)

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Die Reisepläne für Rußland nehmen Gestalt an. Ich werde am dritten Juli zunächst von 8 – 16 Uhr meine erste Gruppe Touristen dieser Saison durch Stockholm führen, um 17 Uhr völlig planlos nach Hause rasen und den Anzug gegen eine Reisetasche austauschen, gegen Mitternacht in St. Petersburg zum Umsteigen aufschlagen und um halb vier Uhr morgens des nächsten Tages in Archangelsk eintreffen. Hier werde ich intravenös um Kaffee bitten und gegen neuen Uhr die Reise auf die >>> Solowezki-Inseln fortsetzen. Natürlich mit einer lokalen Fluggesellschaft. Ich befürchte im Moment das Schlimmste. Es böte sich also an, den Kaffee zusammen mit Valium intravenös einzunehmen. Aber was tut man nicht alles als Tourist.

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Und nein, ich habe den Feierlichkeiten zur Hochzeit von Prinz Carl Philip von Schweden nicht beigewohnt. Ganz im Gegenteil, ich habe mich in meiner Behausung eingeschlossen, die Jalousien runtergezogen und die Ohren auf Durchzug gestellt. Und ich war wohl nicht der Einzige, die schwedische Bevölkerung ist zu Teilen des Königshauses überdrüssig. Aber meine Einstellung ändert sich vielleicht, wenn ich dann voraussichtlich im Dezember den schwedischen Paß in meiner Hand halte … Wunder geschehen immer wieder!

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Ich habe Urlaub!

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