[zusätzliche] Gratisrunde.

Der Sonntagabend hätte nach einem wundervollen Wochenende in Berlin, Kalle und Familie sei Dank, fast perfekt enden können, der Norwegian-Flug von Schönefeld nach Stockholm war das erste mal in zehn Jahren pünktlich, wir hätten sogar zehn Minuten früher landen sollen. Man sitzt also nichts ahnend in seinem Flieger, sieht die ersten Lichter beim Landeanflug vorbeirauschen, malt sich im Köpfchen schon aus, wie man mit dem letzten regulären Bus dem Nachtverkehr ein Schnippchen schlagen würde. Und eventuell doch noch 6 Stunden Schlaf bekommt, bevor man am Montag um Punkt acht Uhr wieder zum Fortbildungstag am hiesigen Arbeitsplatz eintrifft, frisch und faltenfrei.

Leider hatte ich bei meiner ganzen Träumerei während des Durchpflügens der dichten Nebelfelder in der Nähe des Flughafens die Rechnung ohne den Wirt gemacht, der in Gestalt des Scandinavian-Airlines-Fluges SK1488 (aus Oslo kommend) direkt vor uns Faxen auf der Landebahn machte …

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DY4508 im Anflug ARN (21/09/2014)

Anstatt also sanft und überpünktlich aufzusetzen, jaulen plötzlich die Motoren auf, das Rückgrat wird wieder in den Sitze gepresst, die Flugzeugnase zeigt wieder gen Himmel, das Hirn sortiert noch ein bißchen die unterschiedlichen Informationen und der Kapitän sagt erstmal gar nichts. Stockholm verschwindet, die dichten Wolken umhüllen uns wieder, die Tragflächenlichter blinken ohne Kommentar vor sich hin …

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DY4508 go-around ARN (21/09/2014)

Letzter Bus ade, Nachtverkehr ahoi! Vier volle Stunden Schlaf. Acht Stunden Fortbildung. Mit der Erkenntnis: der menschliche Körper ist nicht bügelfrei. Weil der Flug SK1488 einfach seinen Hintern nicht schnell genug von der Landebahn bekommen hat. Und wir aus verständlichen Sicherheitsgründen wieder nach oben mußten. Immerhin, so kam noch mal ein bißchen Spannung in den Tag, und wahrscheinlich ist meine Einstellung “Fliegen ist wie S-Bahnfahren” doch nicht ganz adäquat. Oder hat man schon mal eine durchstartende S-Bahn erblickt?

[Screenshots: Courtesy of >>> Flightradar24.com]

Leckage. Hoch. Schaukelnd.

Der Sommer neigt sich dem deutlich dem Ende zu. Die Temperaturen fallen, der Himmel verliert sein Blau und in Stockholm drehen die Wespen schon durch, die Sonne zieht sich jeden Tag ein Stückchen früher zurück, die Nächte sind seit dem letzten Wochenende zeitweise wieder komplett dunkel. Da bietet es sich doch förmlich an, zwar verspätet, aber dennoch frohen Mutes, meinen Bericht über meine letzte Reise nach Föhr ins Rennen zu schicken, die ich vor gut einer Woche an einem Donnerstag antrat, nicht ahnend, was dieser Ausflug alles so zu bieten hätte.  Weiterlesen

Värmebölja, oder:
[Stockholmer] Telegramm 16

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Am Mittwoch verkündete ich vollmundig der Berliner Welt, wie schön es doch wäre, in die nördlichen Gefilde zurückkehren zu können, die Hitze in der Haupstadt wäre einfach nichts für mein Hirn. Ich würde den Boden küssen und in die Ostsee hüpfen, sobald ich schwedischen Boden erreicht hätte. Nun denn, beides hätte ich am Donnerstag dann auch getan, allerdings in einer leicht abgewandelten Form, eher unfreiwillig und dabei völlig desorientiert. Der schwedische Wetterdienst sah sich nämlich Mitte der Woche gezwungen, erstmals in seiner langjährigen Geschichte eine Wetterwarnung auf Grund einer anhaltenden Wärmebelastung herauszugeben, da die Temperaturen an mehr als drei Tagen in Folge über die Marke von 30°C klettern könnten, was dann auch eintrat, inzwischen erreichen wir Tag vier des markanten Wetterereignisses. Und dann spricht man hier nur noch von der värmebölja, einer Hitzewelle, die nun bis Sonntag vor allem Mittelschweden fest im Würgegriff hat. Da der Sonnenstand in unseren Gefilden in den Sommermonaten am höchsten ist und damit der lebensspendende Stern unseres Sonnensystems sozudagen direkt auf uns strahlt, noch ein bißchen direkter und intensiver als in Berlin, ist dieses Wetter unheimlich gut geeignet, um Touristenführer zu spielen: Stundenlange Spaziergänge in der Altstadt von Stockholm, erfrischend langes Anstehen am Vasa-Museum ohne Schatten und immer wieder raus aus dem lebensrettenden Bus, um Fotos machen zu lassen. Und wie im Lottospiel war es völlig offen, wer denn nun als erstes den Boden küssen oder aber sich ekstatisch die Kleider vom Leibe reißen und in die Ostsee springen würde; der Touristenführer oder eines seiner Schäfchen?

Ich habe sie alle wieder heil zu ihrem Kreuzfahrtschiff zurück gebracht, um dann selbst mit den letzten Reserven im Körper der Sonne zu entkommen, ich bin hierauf erstmal ausgiebig U-Bahn gefahren. Und etwas neidisch guckt einer meiner nun nach Berlin, wo es im Moment angenehme 20°C sind, wir springen um halb zwölf schon wieder über die Marke von 28°C, und es gibt nur eine Richtung – hoch hinaus.

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Die zehn Tage in Berlin waren lehrreich, wenn auch warm. Ich kann noch schwimmen, ein Wochenende bei Ina und den Kindern draußen in Wandlitz hat mich dazu verleitet, mal wieder ins kühle Naß zu springen. Auch eine kurze Hose wurde käuflich erworben, die erste seit dem ich die Kinderlederhose im Alter von 12 Jahren feierlich in die Rente verabschiedet habe. Und ein ganz großer Entwicklungsschritt (da man ja unter sich war, ich würde so nie in die Zivilisation zurückkommen): ein ganzes Wochenende nur in Badelatschen! Auch diese käuflich erworben, sie wurde einfach der kurzen Hose beigelegt.

Auch durfte ich endlich mal Leipzig genießen, zusammen mit dem Kalle, ein spontaner Trip nach Mitteldeutschland, der eigentlich recht günstig war, dennoch die Kreditkarte an den Rand des Wahnsinns gebracht hat, es war leider Sommerschlussverkauf. Auf der anderen Seite immer wieder die Feststellung, daß ich wesentlich billiger einkaufe, wenn ich im Euroland das schwedische Konto anwende. Dafür mußten nun leider ein paar Klamotten beim Schwesterherz eingelagert werden, sie paßten nicht mehr in die Tasche, und die Fluggesellschaften sind inzwischen alle knauserig. Es sollte nunmehr nicht nur Ryanair sein, die ein Tütchen zu viel als Handgepäckt ablehnt …

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Ich muß am Montag wieder eine Gruppe führen. Es bleibt mir nichts anderes übirg, als innig zu hoffen, daß Mutter Natur ein Erbarmen hat und Einsicht zeigt, man kann einen Renke bei dieser Hitze unter keinen Umständen auf die Touristen loslassen.

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Die Tage werden leider wieder merkbar kürzer.

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Frohen Sommer!

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