(Massen-) Verkehrsmittel in Falun.

Es ist doch recht drollig zu lesen, was Architekten so alles in und mit Falun vorhaben, vor allem in Hinblick auf den öffentlichen Personennahverkehr. Im Moment kommt unser kleines Städtchen, das (aber sehr) knapp 37.000 Menschen ein Zuhause bietet, mit einem Bahnhof aus, der zwei durchgehende Hauptgleise hat. Zudem besitzen wir, dies erstaunt meine Gäste immer wieder, ein Busnetz, das hauptsächlich von vier Hauptlinien gesponnen wird. Zwei von diesen Linien sind, ich nenne das einfach mal so, im Berufsverkehr im 15 Minutentakt unterwegs, und ja, die Hütte könnte dann voll sein. Am Wochenende allerdings sieht es schon recht düster aus, am Samstag kommt man eventuell noch zwei mal in der Stunde öffentlich vorwärts, am Sonntag bedeutet ein zu spätes Erreichen der Haltestelle eine Stunde Wartezeit. Darüber hinaus gibt es noch Bedarfslinien, die unter Woche hier und da mal durch die Gegend gedüst werden, von einem rechten Takt sollte man aber nicht sprechen, schick sehen sie am Wochenende allenfalls auf den Fahrplänen aus.

Es sollte also angebracht sein, spricht man von einer Grundversorgung in Sachen ÖPNV, die freilich weit entfernt vom Massentransport in Großstädten wie Stockholm, Berlin oder Rom ist. Umso erstaunlicher ist nun der Vorschlag einiger Architekten, auf der einen Seite die Högskolan Dalarna von Lugnet ins Stadtzentrum zu holen, was natürlich nichts mit dem öffentlichen (Massen-)Transport zu tun hat, und auf der anderen Seite im Zuge dessen einfach mal eine Straßenbahn in Falun einzurichten. Richtig gelesen, eine Straßenbahn soll nach Vorstellungen dieser Architekten, auf Schwedisch nachzulesen bei >>> Dalarnas Tidningar, auf den Gleisen der ehemaligen Güterbahn Grycksbo – Falun (- Hosjö) entlangrauschen und die Massen von einem Dorf durch die Stadt ins andere befördern.


Visa Straßenbahn Grycksbo – Falun – Hosjö på en större karta

Das wäre, wenn der Vergleich gestattet ist, also ungefähr so, als flöge man zwischen Erkner und Velten halbstündlich mit dem Airbus A380 hin und her, natürlich mit Zwischenstop in Oranienburg.

Nun denn, früge man mich, was die Architekten wohl kaum tun werden, plädierte ich, wenn wir schon ein Massenverkehrsmittel brauchen, dafür, bei Siemens und Bombardier anzufragen, ob nicht auch ein ICE in Falun durch die Gassen gejagt werden könnte. Daß die Züge winterfest sind und auf Faluner Gleisen nicht ihre Radreifen verlieren, setzte man natürlich voraus, auf dem Testgelände Deutsche Bahn AG haben sich ja klitzekleine Mängel dahingehend eingestellt, bei der dritten Generation der ICEs, die hier sicher zu einem Zusammenbruch des ÖPNVs führen würden.

Trefflich sollte nun ein altes Sprichwort sein: Schuster, bleib bei deinen Leisten. Allerdings scheint es dafür keine Übersetzung ins Schwedische zu geben. Eine Straßenbahn in Falun wäre einfach nur ein kleines bißchen Größenwahn mehr, reihte sich dann aber anstandslos hinter die >>> neun Schanzen ein, die Falun, soweit ist der Entscheidungsprozeß schon (wenn nicht ein Bürgerbegehren noch einschreiten kann), bald sein Eigen nennen darf.

Ob ich das noch erleben werde?

4 Gedanken zu „(Massen-) Verkehrsmittel in Falun.“

  1. Hm, ich weiß nicht, im Moment wird eine neue Bibliothek da oben gebaut, die Sportanlagen werden erweitert, das Språkhuset wird auch vergrößert, also ich sehe da (in naher Zukunft) nicht wirklich eine Veränderung. Allerdings, recht chaotisch ist es da oben ja schon, ich meine Hauptgebäude, Mediahuset, Sjukan, dann ein paar Räume im Lugnetgymnasiet, es wäre sicher von Vorteil, hätte man das Ganze wieder an einem Platz, von daher ist der Vorschlag sicher nicht schlecht.

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  2. puuh, ist ja furchtbar..
    Aber die Idee, die Uni in die Stadt zu holen, ist garnicht so schlecht, oder? Und die Kommentare unter dem ‚Zeitungs’artikel waren ja sogar auch ausnahmslos wohlwollend.

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