Liebe schwedische Eltern!

Liebe schwedische (und vielleicht auch deutsche) Eltern!

Eine ganz einfache Frage:
Wenn Ihr (ich kann auch das Sie, auch wenn das in Schweden unangebracht ist, deswegen bleiben wir beim DU) in den Urlaub fahrt, erklärt Ihr dann

  • der Lokführerin oder dem Lokführer, die/der Euch im Zug zum Flughafen bringt, wie er ihre/seine Lokomotive, die ja ein paar Tonnen wiegt und durchaus flotte Geschwindigkeiten erreichen kann, zu steuern hat?
  • der Pilotin/dem Piloten, wie sie/er das Flugzeug mit dem Flugplan zu füttern hat, wie die Klappen richtig einzustellen sind, die richtige Flughöhe zu finden ist, die Landebahn genau mittig zu treffen ist?
  • der Towerlotsin/dem Towerlotsen, wie sie/er die Flieger richtig zu staffeln sind, wie die Landebahn richtig ausgewählt wird, wann die Landeerlaubnis zu geben ist?

Wenn Ihr nun dreimal mit einem Nein geantwortet habt und meinen Metahphern etwas abgewinnen könnt, dann vertraut Ihr auch den Kompetenzen einer Lehrerin/eines Lehrers. Mein Herzschlag sinkt und ich bin dankbar, dass ich meiner Berufung nachgehen kann, ohne dass ich mit einem Herzkasper im Klassenzimmer stehe und Zurechtweisungen eines Elternteils nach gegebener Stunde befürchten muss.

Wenn Ihr nun dreimal mit einem Nein geantwortet habt und meinen Metaphern keinerlei Verständnis entgegenbringen könnt: Meine Ausbildung hat genauso lange gedauert, wie bei den oben beschriebenen Berufen. Ich spreche drei Sprachen fließend. Ich arbeite meist mehr als in den oben genannten Berufen. Ich stelle mich auf jede Schülerin und jeden Schüler ein, auf die individuelle Bedürfnisse, Lernziele und Fähigkeiten. Lasst Ihr mich bitte meinen Job machen?

Oder Ihr kommt einfach mal an einem gewöhnlichen Montag bei mir vorbei und wuppt vier Stunden Deutsch, so aus dem nichts. Oder wie sieht es mit Donnerstag aus? Drei Unterrichtsstunden Deutsch und zwei in Englisch? Samt Vorbereitung, Nachbereitung und Korrigieren? Könnt Ihr? Dann macht mal!

PS: Der Autor dieses Artikels ist leicht geschädigt, durch Eltern. Die ihm verbieten wollen, das Kind im Sprachunterricht mündlich aktiv werden zu lassen. Genießen wir Sprachen in Zukunft also in aller Stille. Ich bin durch …

PPS: Wenn Ihr dreimal mit einem Ja geantwortet habt und meinen Metaphern nichts abgewinnen könnt, dann seid Ihr die berufliche Superwoman oder der Superman! Touché! Wir sehen uns im Cockpit!

[Fremd]Sprachlich ungenau.

2018/02/21 - Säbyskolan/Rönninge (Schweden) - interpretationswürdig.
2018/02/21 – Säbyskolan/Rönninge (Schweden) – interpretationswürdig.

Der Fremdsprachenlehrer kippt ein bisschen aus den Latschen. Man kaufte ein A, und ein bischen Hirn, mit Verstand!

Und schon böte sich ein Aufsatzthema an. Reflektieren ist wichtig, vor allem im schwedischen Lehrplan:
a) Aussage, Zweck und Ziel
b) Ist und Soll des Lernens
c) Respekt und Toleranz
d) sprachliche Strategien zur Fehlervermeidung

Lasst sie schreiben!

Licht(blicke): an/aus.

Ich könnte mir wahrlich auf die Schultern klopfen: Pflichtgefühl, Geiz. Was auch immer es gewesen sein mag! In der letzten Woche nur am Mittwoch krank gewesen zu sein, war Leichtsinn, fast schon jugendlicher Leichtsinn. Liegt man zu Hause, klappernd im Bett, kann man eigentlich als erwachsener Mensch davon ausgehen, dass die körperlichen Befindlichkeiten nicht zum Besten stehen. Und dass man am Donnerstag nicht quietschfidel in der Schule aufschlägt. Um dann am Freitag superqietschfidel nach Berlin über Kopenhagen zu fliegen. Man lag dann nämlich zwei Tage klappernd auf dem Sofa. Widerlich.

Aber ich habe es hinbekommen! Völlig verrotzt, fiebrig, krank, lustlos und fast ereignislos in Berlin. Und es dünkt mich, dies alles liegt in der Familie! Unbedingt in die Schule – bitteschön – auch wenn es eigentlich gar nicht mehr geht. Oder vielleicht ist doch die Ursache der gehasste Karenztag in Schweden? Ein Tag krank ohne Bezahlung, 120 € weniger am Ende des Monats?

Oder könnte es auch der Tatsache geschuldet sein, dass Lehrer zwar krank sein dürfen und Lohn abgezogen bekommen, doch bitte aber der Vertretung ein komplettes Stundenprogramm zukommen lassen und dies dann auch noch in Nacharbeit überprüfen? Müssen kranke Piloten eigentlich ihre verpassten Flüge nachfliegen? Müssen Sachbearbeiter verpassten Klienten nachjagen? Muss der Beamte vom Ordnungsamt die Parkzettel in die Vergangenheit transferieren?

Wieso sollte man da zu Hause im Bett bleiben?

Um seine Ferien vielleicht so nutzen zu können, wie man es geplant hatte: Freunde treffen, Seele baumeln lassen, vielleicht ein bisschen feiern, das Studium effizient betreiben (man bildet sich ja weiterhin fort).

Dies alles habe ich seit Freitag nicht getan. Das Fernsehen zwischen acht und sechzehn Uhr werktags ist mir nun bekannt. Hätte ich nicht so fidele Kopfschmerzen, ich würde brechen, werktags zwischen acht und sechzehn Uhr.

Dennoch habe ich mich heute auf wackeligen Beinen, schummerig wurde es auf der Treppe zur U-Bahn, so ganz ohne Rolltreppe, zum Kalle gewagt. Mein Zustand sprang ihm direkt ins Auge. Selbst auf dem Sofa, halbe Acht-Uhr-Stellung, wurde keine gute Figur abgegeben. Schachmatt.

Immerhin, zwei Filme wurden geschafft. Der erste, der letzte mit Robin Williams, stimmt nachdenklich. Fast schon verstörend die eigentliche Handlung, profan, kopiert, schon dagewesen. Wodurch allerdings >>> Boulevard auffällt, ist die Verzweiflung, die dem Protagonisten anheim wird und in welcher Art und Weise Robin Williams diese verkörpert. Man ahnt, hätte man diesen Film früher gesehen, dass Robin Williams vielleicht mehr darstellt, mehr preisgibt, als es einem Schauspieler eigentlich recht wäre. Er wirkte müde in diesem Film, unendlich müde. Die Kritiker meinten oft, dieser Film wäre herzzerreißend gespielt. Und keiner sah die Müdigkeit …

>>> The Mostly Unfabulous Social Life of Ethan Green hingegen wartete mit den Verquickungen des Lebens auf. Es bot sich hier tatsächlich eine kleine Reflexion über das Leben an, die man sekundenweise durchaus vornehmen konnte, aber der Klamauk übernahm die Herrschaft. Kein pompöser Film aus Hollywood, aber Witz in den Dialogen und den Handlungssträngen, hier und da abartig grotesk, bitterböse in gewissen Endkonsequenzen, den Abend also abrundend. Ein Hoch auf die Generation Handy, die selbst beim Schäferstündchen, dem sich anbahnenden, nicht den Klingelton in die Tiefen der Hölle verschwinden lassen kann. Ich bin entsetzt!

Was bleibt sind vier Tage in Berlin. Und dann puff, zurück gen Stockholm!

Und zwei Wochen Schule.

Und Föhr-Marathon!

Also auf die Ö!

Und dann Jena.

Skål!

xxxx

Erklärung: Ö ist das schwedische Wort für Insel. Und wenn ich von der Ö spreche, dann gibt es nur EINE Insel – die Insel, Föhr!

Beschäftigungstherapie: Donnerbalken.

Früge man mich, was meiner einer zwischen den Unterrichtsstunden in der Schule so zu tun hätte, würde ich sicherlich antworten, dass Stunden vor- und nachzubereiten wären, die sich selbst korrigierende Klausur noch nicht erfunden wurde und deshalb der rote Stift angelegt werden müsse, die eine oder andere E-Mail einer Kollegin/eines Kollegen oder von Eltern einer Antwort bedürfe, und vielleicht würde ich sogar einen Kaffee trinken. Ach, und eventuell böte sich noch der Einsatz als >>> Grisu an.

Daumen hoch, nach der Brandserie in den ersten zwei Wochen nach dem Jahreswechsel hat sich Gott sei Dank die Situation beruhigt. Was sicherlich auch daran liegt, dass die Kolleginnen und Kollegen an meiner Schule Wache schieben, direkt vor dem Donnerbalken. Freilich bin ich auch in den Wachdienst eingebunden: Patrouille Renke ist stets vor Ort! Der Dienst besteht hauptsächlich darin, Toilettentüren aufzuschließen, zu warten und wieder abzuschließen. Dabei beschränkt sich das Wachgebiet nicht nur auf die Toiletten vor dem eigenen Klassenzimmer. Ganz im Gegenteil, auf Grund der Schüleranzahl und der schieren Menge an Toiletten (siebzehn an der Zahl) sind durchaus völlig unvorhergesehene Einsätze obligat! Zuweilen, befindlich auf dem Weg vom Lehrerzimmer zum Kopierer, versteckt man sich waghalsig hinter Pfeilern und Spinden, springt im Zickzack durch die Flure, nur um nicht Wachdienst vor dem Lokus schieben zu müssen. Kann sich dieser rein gar nicht verhindern lassen, da sich natürlich auch mal der eine oder andere Notfall einstellt, bleibt die Hoffnung auf den fliegenden Wachwechsel! So sich denn die ahnungslose Kollegin oder der ahnungslose Kollege finden lässt. Meist zu erkennen daran, dass langsam und ohne offensichtliches Ziel im Korridor spaziert wird. Dann kann man Glück haben und übergibt den Wachdienst. Wenn nicht doch noch im letzten Moment, einen Sekundenbruchteil vorher, eine Neueinschätzung der Situation vorgenommen wird und die Kollegin oder der Kollege panisch zur Flucht ansetzt, zuweilen dann gern auch in die Wand oder einen im Weg stehenden Spind.

Man versteht sicherlich an dieser Stelle, dass es schwer wird, seinen eigentlichen Aufgaben nachzukommen, daher ist man dankbar, wenn sich die Frage nach dem Tun zwischen den Unterrichtsstunden erst gar nicht stellt.

Aber die Rettung ist in Sicht: Kameras in allen Fluren! Und technische Finessen auf dem Donnerbalken! Soweit ich das am Donnerstag bei einer großen Teamsitzung alles richtig verstanden habe, werden wir elektronische Schlösser erhalten, die wiederum an eine Datenbank angeschlossen sind. In Kombination mit personalisierten Schlüsseln, die auf geheimnisvolle Art und Weise liebevoll mit dem Schloss im Türrahmen kommunizieren werden [es konnte nicht ganz geklärt werden, wie genau dies von Statten gehen wird], soll in Zukunft, freilich nur im Falle eines erneuten Brandes, festgestellt werden können, wer von den Schülern oder Schülerinnen seinem Drang nach Feuer auf dem stillen Örtchen nicht Einhalt gebieten konnte.

Aber noch viel spannender ist eigentlich der Fakt, dass am Donnerstag vier Schüler mit unmittelbarer Wirkung der Schule verwiesen wurden und sozusagen per Zwang, und ohne Einverständnis der Erziehungsberechtigten, fortan auf andere Schulen gehen. Spannend nicht nur, da nun vielleicht ein bisschen mehr Ruhe in die Schülerschaft und in einige Klassen kommt, sondern weil das Lehrerkollegium schon die Hoffnung aufgegeben hatte, dass überhaupt irgendetwas passieren würde. Es zeigte sich aber im Nachhinein, dass die Polizei intensive Ermittlungen betrieb, im Zuge dieser wurde auch ich befragt, und die Schule, die Schulleiterin und die Schulverwaltung bis zum Abschluss dieser in Starre verharren mussten.

Deutlicher allerdings kann ein Signal nicht sein!

So hoffe nun ich, zusammen mit all meinen Kolleginnen und Kollegen, dass die Ekillaschule jetzt in ruhigere Fahrwasser einläuft und die Installation der Kameras und der neuen Türschlösser dafür Sorge tragen, dass man wieder seiner eigentlichen Tätigkeit nachkommen kann: roter Stift, Vorbereiten, Nachbereiten und die Schülerinnen und Schüler im Zentrum.

Hoffentlich!

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