[endlich] abschalten!

2013/06/08 Rahmersee [Wandlitz] - Abschalten?
2013/06/08 Rahmersee [Wandlitz] – Abschalten?

Die Noten sind vergeben, nach zig hundert Seiten Benotungsmaterial und dem Korrigieren von insgesamt 200 Englischprüfungen. Die Schüler nach Hause geschickt. Die Stockholmer Krawalle links liegen gelassen [die deutsche Berichterstattung war völlig übertrieben]. Wunderbar mit Ina in Berlin am Rahmersee Geburtstag nachgefeiert. Dem Heiratsmarathon in der schwedischen Hauptstadt entflohen. Und im Mai mit Kerstin Bonn unsicher gemacht. Viele viele Lufthansa-Meilen gesammelt. Ein fantastisches Konzert von Depeche Mode im Olympiastadion München erlebt [es regnete] – Memo an mich: Beim nächsten Besuch des Hofbräuhaus gleich in die zweite Etage, und Maria darauf hinweisen, daß Weizenbiergläser teuer sind. Keine Zeit für den Blog gehabt. Nochmals umgezogen und eine Freundschaft beendet. Am Mittwoch die erste Gruppe für dieses Jahr durch Stockholm geführt. Nicht weniger als zwei After Work mit den netten Kollegen gehabt [auch wenn einige unheimlich werden, sobald der Wein alle ist]. Urlaubsreif. Hoher Norden, ich komme [nach Diktat verreist].

Sommerzeit?

Es ist ja nicht so, daß ich dem Winter abgeneigt bin, ganz im Gegenteil, ich hätte mich wohl sonst nicht nach Schweden abgesetzt. Dennoch würde ich mich inzwischen der Mehrheit meiner Freunde in Deutschland anschließen: Es könnte reichen.

Dies liegt vielleicht auch daran, daß ich Ende März selten Schnee in norddeutschen Landen erfahren habe, wie z.B. beim >>> 2. Föhr-Marathon am 24. März dieses Jahres. Schon die Anreise zu diesem war ein Abenteuer, der Flieger landete in Hamburg im Weißen, leise [und sanft] rieselte der Schnee. Die Bahnfahrt am Samstag vor dem Marathon war dann allerdings ein tiefer Punkt, oder eher ein weißer, der Zug rollte zwischen Husum und Lunden minutenlang durch eine Schneewand, da halfen selbst die romantischen Erinnerungen an “Deutschland. Ein Wintermärchen” nicht mehr weiter. Sicher, mich tangierte es nur peripher, da ich beim Marathon eher im administrativen denn im aktiven Bereich untergebracht war, dennoch dachte ich mit Grausen an die armen Läufer. Deren Schicksal wurde nun nicht nur mehr durch einen gewöhnlich frisch wehenden Wind auf der Insel gebeutelt, sondern richtiges Winterwetter sollte sie auf ihrem Lauf über das Eiland begleiten! So sie denn pünktlich zum Start antreten konnten, denn eine eigens für den Marathon bestellte Extrafähre konnte auf Grund von Ostwind und damit verbundenem Niedrigwasser am Morgen des Marathonlaufes nicht fahren. Wer konnte, mußte also den Abend zuvor auf der Insel auflaufen, was jedoch logistisch nicht ganz einfach war, der Großteil der Insel war ausgebucht. So geschah es dann auch, daß unser Orga-Team am Morgen des Laufes um sechs einen Versprengten vor der Midlumer Turnhalle aufsammelte, der mit der letzten Fähre nach Wyk fuhr, dort jedoch kaum einen Platz zum Schlafen fand und deswegen vor besagter Halle übernachtete, schadlos hielt er sich durch behäbiges Hin- und Herlaufen. “Rettungsmaßnahmen” in Form einer Decke, eines Kaffees und eines Brötchens begegnete er mit dem Hinweis, man solle sich doch keine Umstände machen. Nach einem erfolgreich durchgeführten Marathon, meine Wenigkeit überwachte knapp sechs Stunden die Zeitnahme im Ziel und assistiere nebenbei dem Moderator, schoß besagter “Nachtläufer” namens Yacine Lamiri den Vogel wirklich ab, er wurde nämlich Dritter bei den Männern über die gesamte Strecke. Davon abgesehen, daß ich jeder Läuferin und jedem Läufer des Marathons, die Einteilung in Halbmarathon und Gesamtmarathon spielt nun keine Rolle, ob der widrigen und wirklich abartigen Wetterumstände den höchsten Respekt zolle, mich hätte man sicherlich nach Kilometer zwei aus dem Graben ziehen können, bin ich baß erstaunt, wozu menschlicher Wille und entsprechender Körper in der Lage sind – und bin immer noch fassungslos darüber, daß man trotz Übermüdung und nächtlicher Übernachtung vor der Turnhalle solch eine Leistung an den Tag legen kann. Und ich war im Orga-Team sicherlich nicht allein mit dieser Einstellung. Es bleibt zu hoffen, daß die dritte Ausgabe des Föhr-Marathons im nächsten Jahr von Schneeverwehungen, Eis und Niedrigwasser verschont bleibt, es sollte den Läufern doch ein wunderschöner Lauf im Frühling vergönnt sein! Den ich definitiv wieder begleiten werde!

Daß der Schnee in Deutschland mich allerdings nicht loslassen würde, wußte ich dann am Montag bei meiner Rückreise nach Stockholm noch nicht. Irgendwie hatte ich die kühne Vorstellung, daß ich das Osterfest in Berlin mit einem Hauch Frühling begehen könnte, den Schnee in Norddeutschland tat ich als den letzten Rest vom Schützenfest ab.


2013/03/25 * Take-off EDDH/HAM/Hamburg, rwy 05 *
Lufthansa 2930 (Lufthansa Regional operated by Eurowings),
Canadair CL-600-2D24 Regional Jet CRJ-900 NextGen,
reg. D-ACNI [named Herzogenaurach] *

Ich sollte allerdings eines Besseren belehrt werden. Denn nach Beendigung der Schule am Gründonnerstag ging es wieder gen Deutschland, abends mit dem Air-Berlin-Flug. Es war dunkel, es hingen Wolken am Himmel, nach Passieren der deutschen Küste auf dem Weg nach Berlin sah man nichts. Der Pilot verzichtete auf den Wetterbericht, lediglich kühl sollte es sein. Beim Durchstoßen der Wolkendecke während des Anfluges auf Tegel offenbarte sich mir dann der Horror, es sah in Berlin auf dem Boden genauso aus wie in Stockholm – dies war dann auch das erste Mal in meinem Leben, daß mir nicht auf Grund des Fliegens anders im Magen wurde. Der Anblick war fatal. Und der Rest von Ostern auch, wettertechnisch. Und dann wird noch an der Uhr gedreht. Keine Schneeglöckchen weit und breit zu sehen, keine Sonne, kein Frühling. Im Gegenteil, Winterblues findet sich überall. Man mault mehr oder weniger nur noch rum.

Und leise [und sanft] rieselt der Schnee. Wohl doch nicht bis Sonntag?

[Stockholmer] Telegramm 11

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Der Lebensrhythmus hat sich Gott sei Dank in drei einfache Abschnitte eingeteilt: Schlafen (meistens zwischen 23.00 – 5.00 Uhr), der Schule (irgendwann dazwischen) und Mahl-zeit(en) – dies dann je nach Arbeitslücken bzw. momentanem Aufenthaltsort, was in den letzten Wochen am hiesigen Wochenende bzw. einer halben Woche Ferien entweder Berlin oder Föhr war.

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Föhr hat insgesamt neben Ruhe und Wind auch neue Einsichten in Sachen Süßigkeiten gebracht, ich wußte bis dato nicht, daß man eine Küche durchaus auch nur mit Zucker und Butter im Topf exothermen Reaktionen aussetzen kann. Was natürlich das kleinere Übel war, wenn man an das Endprodukt denkt, das dann auf der Zunge Freudentänze aufführt. Dennoch, beschaulich war es, mal wieder, lediglich übervolle Fähren waren ein gefühlter Einbruch in der An- und Abreisequalität, zumal ich die Ehre hatte, an einem Tisch zu sitzen, der von Madame beehrt wurde, die ihre heiße Schokoldade grundsätzlich mit überproportional viel Sahne trinkt und deswegen ein halbes Drama gegenüber der Schiffscrew im Salon aufführte, als einer von den vielen Servicekräften nicht gleich die richtige Menge an den Tisch brachte. Hui, ein bißchen Sylt-Etikette mitten in der Nordsee.
November 2012 Föhr/Strand Nieblum - [etwas] Licht.
November 2012 Föhr/Strand Nieblum – [etwas] Licht.
Mit Instagram bearbeitet.

Das Wetter war auch bei diesem kurzen Ausflug nicht unbedingt ein solches, welches man sich beim Strandurlaub wünscht, aber die Vorzüge eines kalten und nassen Wetters sind eben, daß der gemeine Tourist zu Hause bleibt und mir den Strand zur Gänze überläßt. Und wer Kabribik haben möchte, darf eben nicht nach Föhr reisen [auch wenn dies von der >>> Föhr-Tourismus-GmbH immer noch anders proklamiert wird]. Und wer hätte gedacht, daß man gut ein Jahr nach dem >>> Überbordgehen von einigen Containern vor Helgoland, gefüllt mit Schuhen der unterschiedlichsten Marken, noch Strandgut ausmachen könnte, welches zudem noch gut erhalten ist, fast fabrikneu?

November 2012 Föhr/nahe Goting Kliff - eingelagert.
November 2012 Föhr/nahe Goting Kliff – eingelagert.
Mit Instagram bearbeitet.

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Der Winter läßt hier in Stockholm weiterhin auf sich warten. Die Damen und Herren beim nationalen Wetterdienst sind sich noch nicht mal einig, ob der erste Advent am nächsten Wochenende nun weiß wird oder nicht. Dies schränkt natürlich meine Planung dahingehend ein, daß ich mir nun nicht sicher kann, ob ich am nächsten Samstag mit meinem Schlittenersatz, es wäre eine LIDL-Plastiktüte, in Wahnsinnsfahrt die Hänge im Wald von Arlanda hinuntersause. Ich bedauere dies eigentlich zutiefst.

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Es ist wieder die Zeit für >>> Julbord und Weihnachtsmärkte, außerdem haben die Nachbarn ihren Balkon in weihnachtliches Licht gehüllt. Für mich bricht nun also die stressigste Jahreszeit an: Vorweihnachtszeit.

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Die >>> neuerliche Rettung von SAS , Skandinaviens Fluggesellschaft, hat in meiner Schule im Lehrerkollegium doch für einigen Zündstoff gesorgt. Ich war allein auf weiter Flur mit der Überzeugung, die Fluglinie sollte man eher in die Insolvenz entlassen, als fortwährend Steuergelder in ein Unternehmen zu pumpen, das auf dem Markt nicht überlebensfähig ist. Zudem hatte ein Wirtschaftsprofessor der Universität Linköping festgestellt, >>> SAS wäre eine Frage der Demokratie, das Volk solle abstimmen. Mein Einwand, daß die Schweizer oder Belgier beim Bankrott ihrer nationalen Fluglinien ebenso wenig ein demokratisches Mitspracherecht hatten wie wohl der gemeine Steuerzahler in Schweden, wurde mit der Notwendigkeit einer nationalen Fluglinie in Skandinavien gekontert. Ich präzisierte meinen Einwand und fragte, wie ich als Nichtökonom denn bitte schön über das Schicksal eines riesigen Konzerns entscheiden solle, wo genau denn meine Kompetenzen lägen? Schweigen im Lehrerzimmer. Tja, nun sind also alle glücklich, SAS darf weiter völlig planlos in der Welt umherfliegen (denn ein eigenes Konzept als Kontrast zu Billig- oder Premiumfluggesellschaften gibt es nicht), auch wenn Norwegen und Dänemark ihre Anteile loswerden wollen und das fliegende Personal sicherlich unter glücklich etwas anderes versteht als die errungenen Kompromisse. Und ich bin wohl ein bißchen als Kapitalist verschrien.

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Die Schüler wollen nicht mehr, man merkt, daß es geschwind auf Weihnachten zugeht. Hausaufgaben? Fehlanzeige! Einreichen schriftlicher Aufgaben? Fehlanzeige! Verzweifeltes Benehmen bei Krankheit des Lehrers wegen Unterrichtsausfall? Fehlanzeige! [Ich gebe an dieser Stelle zu, daß es mir in meiner Schulzeit zumindest im letzten Punkt ähnlich erging.]

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Ich komme immer noch nicht darüber hinweg, daß ich zu Weihnachten über München nach Berlin fliegen muß.

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In Anbetracht dessen, daß eine gründliche Reflexion über den vorletzten Flug mit Air Berlin ergeben hat, daß die Mitarbeiter dort auf dem “Zahnfleisch” krauchen und eigentlich nur ein Produkt dessen sind, was Herr Mehdorn in dieser Fluggesellschaft veranstaltet, habe ich nun doch wieder Flüge mit ihnen gebucht.

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Schönen Wochenstart aus Sthlm!

Tumba-Vasa-Berlin-Vasa-Föhr-Vasa-Tumba

Ein endloser Kreis ist es, den das Leben doch beschreibt. Zwei Monate Ferien, und am Anfang stand das >>> Tumba-Gymnasium. Obschon Anfang Juni noch nicht klar war, ob es denn auch das Ende wäre. Die Unterschrift auf dem Vertrag für eine Vollzeitstelle als Englisch- und Deutschlehrer wurde doch recht spät vollzogen, zwischen Vasamuseum und dem Stockholmer Rathaus, das Schicksal eines Touristenführers. Immerhin, sie wurde vollzogen, so daß der Sommer mit Ausnahmen den Touristen gehörte.  Mit Ausnahmen kann hier eine kurze Reise gen Berlin im Juli genannt werden, die freilich jeden Kalender sprengte, den es auf dieser Welt gibt, es gilt zu beklagen, daß der Tag nicht 100 Stunden hat, so daß auch diesmal einige auf der Strecke blieben. Es sei ihnen aber an dieser Stelle versichert: ich komme wieder! Bedauerlich allerdings ist der Umstand, daß die Flugpreise inzwischen deutlich angezogen haben, man kann durchaus einen Direktflug von Sthlm nach Berlin für den Preis einer Reise von Frankfurt nach New York bekommen. Wie gut, daß ich die Flüge für Weihnachten schon im März dieses Jahres gebucht hatte …

Neben Berlin galt es natürlich, der Insel Föhr einen Besuch abzustatten, lehrreich war dieser, wie immer. So habe ich zur Kenntnis genommen, daß just in dieser Saison die Quallen in der Nordsee extrem ausgeleiert waren,  man sollte es sicherlich mit fett umschreiben können. Zudem habe ich, oh Premiere, daß erste mal einen Einsiedlerkrebs beim Einzug beobachtet. Während unzähliger Versuche einer fotografischen Aufnahme dieses Ereignisses, liegend und stehend im Watt, gab mir eine vorbeikommende Touristin den Tipp, daß man ihn doch mal schütteln und umdrehen sollte, damit er aus dem geklauten Hause heraus käme. Ich merkte dazu nur an, daß ich alles versucht hätte: höflich anklopfen, leicht ankippen und ein bißchen pusten. Schütteln wäre mir dann aber doch zu brachial, man will ja nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen. Die Nachtaktivitäten sollen noch erwähnt werden, schließlich wurde ja diesen Sommer das Firmament mit Sternschnuppen gesprengt! Dabei die Internationale Raumstation ISS zu finden, war nicht ganz leicht, aber es glückte, gleich zwei mal. Nachdem man die Himmelsrichtungen sortiert und in die richtige Richtung geguckt hatte.

Und drum herum immer wieder Touristen, amerikanische und deutschsprachige. Die Amis meinten, Frau Merkel wäre inzwischen zu stark, die deutsprachigen hingegen wollten immer nur wissen, ob denn nun König und Königin in der Stadt wären. Zu ersteres hatte ich vorsichtshalber keine Meinung, bezüglich König und Königin konnte ich immer nur darauf verweisen, daß auch diese mal Urlaub hätten und deswegen nicht zugegen wären.

Und dann schließt sich der Kreis wieder, vor zwei Wochen hat die Schule begonnen, in Stockholm und am Tumba-Gymnasium. Und Schockschwerenot, nachdem ich den Bahnhof und die Schule wiederfand, sogar meine Chefin ausmachen konnte, sprang diese auf mich zu und umarmte mich, als ersten Akt im neuen Schuljahr. Öh, irgendwie, nach knapp acht Jahren Schweden, habe ich mich an das, genau das, noch nicht gewöhnt, es zieht mir doch immer wieder die Schuhe aus.  Fehlt nur noch, daß die Schüler mit offenen Armen auf mich zu hüpfen (ich glaube, dann renne ich aber weg, der Sicherheit halber).

Nun denn, ich bin gespannt, was dieses Schuljahr so alles zu bieten hat … neue Schüler, neue Hausaufgaben, neue Gründe für alles und nichts im Klassenzimmer!  Es wird schon klappen [auch wenn mir ein Schüler vorgestern eröffnete, daß er kein Englisch spreche, auch wenn er aus dem vorigen Kurs mit Bestanden gekommen sei – ei ei Überraschungen]. Ich werde berichten!

August 2012 Föhr - Ohne Element.
August 2012 Föhr (bei Wyk) – Ohne Element.

August 2012 Föhr (bei Wyk) - Leblos.
August 2012 Föhr (bei Wyk) – Leblos.

August 2012 Föhr (bei Wyk) - Eingezogen.
August 2012 Föhr (bei Wyk) – Eingezogen.

August 2012 Föhr (bei Wyk) - [völlig blau] gestrandet.
August 2012 Föhr (bei Wyk) – [völlig blau] gestrandet.

August 2012 Föhr (bei Wyk) - platzverbrauchend.
August 2012 Föhr (bei Wyk) – platzverbrauchend.

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